30. Januar 2017

Winterabende.

Sie war's: Taren | am: 30.01.2017 | 22:00 | Stempel: denken | Keine Gedanken »

Dunkelheit sickert durch die Fenster in meine Wohnung, in mein Zimmer hier über den Dächern. Regentropfen klopfen ihr Lied dazu auf das Dachfenster, verwischen die Lichter der Hochhäuser. Winter in der Stadt – nicht warm, nicht kalt, graues Schmuddelwetter, den ganzen Tag brennt Licht.
Ich sitze vor der Tastatur, suche nach Worten, nach Geschichten. Was mir jedoch einfällt, sind eher Erinnerungen – an Tage unten auf dem Steg am Meer, mit Büchern, Gitarre und Lachen. An den Wind, der immer durch die Straßen strich. An die Möwen, die auf den Dächern brüteten. An flatternde Fahnen, an Fähren und an die Typhone der ein- und auslaufenden Schiffe. An Nächte vor und hinter dem Tresen, für die man sich nicht einmal verabreden mußte. Mir fehlen die Menschen, die in den anderen Städten nie weit entfernt waren, die ich so voll Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit treffen konnte, wenn die Nacht zu dunkel oder der Tag zu lang war. Mir fehlt die Leichtigkeit in den Treffen, sich einfach mal nur für einen Kinofilm sehen, Stunden auf Spielplätzen Schaukeln besetzten und in den Himmel fliegen. Mir fehlt es, jemanden in der Stadt zu wissen, den ich jederzeit in meine Wohnung lassen würde, für den ich nicht aufräume oder putze, weil er mich so gut kennt, daß so etwas nebensächlich ist. Mir fehlt die Leichtigkeit, die ich mal hatte.
Aber die Menschen, die mir einmal so vertraut waren, sind inzwischen in anderen Städten, leben andere Leben. Partnerschaften, Hochzeiten, Kinder – und wenn wir uns sehen, räume ich vorher auf und putze die Wohnung. Die Gedanken, die ich früher am Meer oder auf einer Schaukel oder am Tresen so selbstverständlich mit ihnen geteilt hätte, bleiben nun auf meiner Zunge kleben und verstummen, bevor ich sie ausspreche. Da ist Fremdheit zwischen uns.

Vielleicht ist das der wirkliche Kern des Erwachsenwerdens.

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