bitterschokolade

24. August 2015

Die Ruhe selbst.

Taren • am 24.08.2015 um 19:33 in bitterschokolade, fühlen, verzaubert
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hätt ich das gewusst
wär ich noch geblieben
hätte fotos gemacht
und alles mitgeschrieben
um mir später zu beweisen
dass es war
[…]

Diese kleinen Momente, die kurz diese seltsame Mischung aus Grinsen, Irritation und Verwirrung hervorrufen. Aber es ist gut, daß inzwischen definitiv das Grinsen überwiegt über diesen verrückten Abend, über die Ironie des Schicksals und meinen Hang dazu, das größtmögliche Drama zu finden.

[…]
ich hab die ruhe selbst gefunden
für einen kurzen augenblick
doch dann rannten mir die füße
davon

die ruhe blieb zurück

Spaceman Spiff (wer auch sonst): Schwarz weiss und Die Ruhe selbst

23. August 2015

Be that cat!

Taren • am 23.08.2015 um 00:26 in bitterschokolade, fühlen, verzaubert
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Kopfchaos, Müdigkeit jenseits aller Grenzen und Verwirrung. Das ist mir wirklich lange nicht mehr passiert, daß es mich so sehr von den Beinen wirft (auch wenn es schön ist zu sehen, daß es noch geht).

und all die fleißigen gedanken
richten mehr an als sie begreifen können

Spaceman Spiff: Milchglas

Ewig lange Abende, mit Musik und Gelächter und Alkohol und so vielen Menschen. Tanzen, ausgerechnet ich, tanzen und lachen und sich näher kommen und flirten und sich im gleichen Rhythmus bewegen. Und die Erinnerung an einen anderen Körper zwischen den Händen, im Arm, an mir.
Jetzt einfach schlafen. Und dann, nach dem Aufwachen, bekomme ich vielleicht auch wieder etwas Kontrolle über dieses Wirrwar im Herzen. Ich lasse mir doch nicht von Welt einreden, daß ich sonst einsam bin.

(Titelzitat von Laini Taylor: Daughter of Smoke and Bone)

22. Januar 2015

Drum, Brüder, eine gute Nacht

Taren • am 22.01.2015 um 22:10 in bitterschokolade, fühlen
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Vielleicht, vielleicht ist es nicht leicht,
das alles zu ertragen.
Die Hoffnung ist schon vorgerannt,
um das Grab schon mal zu graben.

Kettcar

Die Nachricht am Samstag, daß es vorbei ist, kam nicht überraschend. Wir hatten schließlich alle nun bereits vier Tage darauf gewartet, vier Tage, in denen sich Blut in einem Kopf ausbreitete, vier Tage, in denen morgens und abends Anrufe getätigt wurden, um Werte und Status abzufragen, vier Tage, in denen jedes Vibrieren des Mobiltelefons mein Herz schneller schlagen ließen, eine Mischung aus Angst und verzweifelter Hoffnung. Es ist gut für sie, daß sie gehen konnte. Es ist okay. Daß sie so gehen konnte – ruhig, mit zwei ihrer Kindern bei ihr, einfach langsam mit dem Atmen aufhören.

Aber heute, als die Musik spielte und sie ihren Sarg aus der Kapelle so voller Blumen und Menschen hinaustrugen, heute, als sich der Strauß ihres Mannes aus Rosen und Orchideen, die sie so liebte, mit ihr hinab in die Erde senkte, heute, als wir später noch nur im engsten Familienkreis am frisch geschlossenen Grab standen – da war es nicht okay, da war es einfach nur furchtbar. Sie, der ich vor zwei Jahren noch ewiges Leben zugetraut hätte, deren Geburtstag wir da noch voller Freude und Lachen und Munterkeit feierten, ist nicht mehr. Und ich vermisse sie. Sie war mein ganzes Leben lang schon da.

Jetzt wird sie mich nicht mehr an meinem Geburtstag anrufen (und mich dreimal verpassen). Das hat sie zwar auch die letzten zwei Jahre nicht mehr getan, weil sie nicht mehr wusste, welches Datum war und daß ich da geboren worden war, aber sie war da. Jetzt ist sie es nicht mehr.

Lebe wohl.

10. Oktober 2012

Herbstlaub.

Taren • am 10.10.2012 um 19:56 in bitterschokolade
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Wie hat es früher funktioniert? Was habe ich getan gegen die frühe Dunkelheit, die Kälte, gegen das Gefühl der Einsamkeit inmitten erleuchteter Fenster? Wie konnte ich den Herbst denn letztes Jahr von mir fernhalten?

Die Luft ist schon schneidend, morgens, wenn ich mit dem Fahrrad über den großen Ring zu meinem Institut fahre, und abends, wenn ich zurück in meine eigenen vier Wände komme. Kalte Hände am Lenker, die Schultern hochgezogen, um möglichst wenig Fahrtwind an Hals und Brust zu lassen, und die Sonnenstrahlen, die ab und zu die Wolken durchbrechen, schmecken nach Birnen und Laub. Ich versuche es, jeden Tag neu, hier anzukommen, mich an diese neue Stadt zu gewöhnen, wirklich – ich bemühe mich, mit meinen Mitstudenten zu sprechen, nett und gesellig zu sein, ich suche mir Sportgruppen und einen neuen Chor.
Aber abends zieht mit den Wolken auch der Optimismus des Tages davon, und was bleibt, ist bittere Sehnsucht nach dem Norden, den Freunden, den wöchentlichen Ritualen, Treffen und Gewohnheiten. Mein altes Leben fehlt mir.

Es darf nicht sein. Lächeln, immer wieder betonen, daß ich hier schon ankommen werde, daß es sicher bald ein Zuhause wird. Reicht ja, wenn die Einsamkeit mich nervt, das muß nicht noch weitergetragen werden – zumal auch niemand helfen kann. Ich darf nur nicht zuhören, was Heimweh und Alleinsein abends flüstern, darf keine Aufmerksamkeit schenken auf das, was war. Es ist mein Traum, den ich hier lebe – und wenn ich mich nur lang genug daran festhalte, wird er schon tragen, auch wenn er sich grade nicht mehr nach Ziel und dem richtigen Weg anfühlt.

13. Februar 2012

Photonen.

Taren • am 13.02.2012 um 15:59 in bitterschokolade
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Grauer Himmel, dreckige Schneereste im Hof. In den letzten Wochen hatten sich die Anforderungen von Arbeit, Universität und Vorbereitung für Kommendes wie ein Kokon um mich gewickelt, und lassen mich nun bei ihrem Wegfall ungeschützt und bloß zurück. Zeit, die ich nicht mehr wirklich zu füllen weiß, und gleichzeitig weiterhin Termine, die mein Bewußtsein dankbar als Vorwand nimmt, um noch immer nicht entspannen zu können.
Und jetzt? Ich habe Sehnsucht nach Frühling, nach Wärme und Geborgenheit, nach langen, lichtdurchfluteten Tagen am Meer, gegen all das Winterdunkel. Ich habe Sehnsucht nach Erfolg, danach, daß diese zermürbende Angst hinter mir zurückbleibt und Raum und Platz für Zukunftsträume und Hoffnung und Freude macht. Ich will mich in Arme fallen lassen, die mich seit Jahren kennen und alle Schatten schon gesehen haben. Ich vermisse ihn, noch immer. Wie dumm von mir.

Doch – es geht voran. Bald erstmal einen Ortswechsel, in behütende und sorgende Hände, dorthin, wo jemand darauf wartet, daß ich nach der Arbeit nach Hause komme, und im Praktikum wieder neu entdecken, weswegen ich kämpfe und arbeite und hoffe. Wo mein Weg ist. Und dann, endlich: Frühling.

28. Januar 2012

Selbstermutigung.

Taren • am 28.01.2012 um 20:41 in bitterschokolade, denken
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Draußen im Hof taut der der Schnee dieses Winters.
Ein langer Abend vor dem PC steht mir bevor, wieder einmal eine viel zu spät in Angriff genommene Hausarbeit. Mein Zimmer ist chaotisch, ich müßte dringend Staub saugen und putzen. Und – mein Klavier ist still.
Viel zu viel bleibt liegen in dieser allzu vollen Zeit, viel zu viel Arbeit verdrängt alles andere. In mir ist eine schon verzweifelte Sehnsucht nach dem Frühling, nach Sonne und Wärme und Aktivität. Mein nach wie vor geschienter Arm ist zwar mittlerweile in begrenztem Radius beweglich, doch funktioniert noch immer viel zu wenig. Der Sport bleibt verwehrt, noch ist unklar, wie lang, und auch das Musizieren ist mit Schmerz und viel Frustration verbunden.
Lange war ich nicht mehr so verwundbar, so verletzlich. Die Schiene an meinem Arm bringt alte, lang vergessene Körpererinnerungen an Verbände, andere Verletzungen, andere Schmerzen hervor, und ich hasse das Gefühl von Fragilität und Versehrtheit, das mir der noch immer geschwollene Ellenbogen in seinen bunten Regenbogenfarben aufzwingt. Träume von damals, manchmal gar der plötzlich auftauchende Wunsch danach, mein Blut zu sehen, die Schwäche sichtbar zu machen, den ich sofort von mir wegschiebe – plötzlich ist da wieder Kampf, wo doch so lange einfach Leben war. Aufstehen, arbeiten, durchhalten, lächeln und lachen und scherzen, obwohl in mir diese Müdigkeit hängt, obwohl mir die Freude in meinem Leben fehlt. Durchhalten – es wird vorbeigehen, ich weiß. Weniger Arbeit, mehr Funktion im Arm, Klavier und bald wieder Sport, und mein Feuer wird wieder brennen.
Die Kälte lähmt. Doch, egal. Augen öffnen, Rücken grade strecken und weitergehen. Ich werde wieder heilen, so wie ich immer geheilt bin, und: ich habe viel mehr Kraft als alles, was mir grad im Wege liegt.

04. Oktober 2011

Silent.

Taren • am 04.10.2011 um 23:33 in bitterschokolade, hören
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Du kannst die Augen wieder öffnen
Denn wir sind da, wo die Träumer wohnen
Und kämpfen mit vereinten Kräften
Gegen die Fakten, denn die kennen wir schon
Der gute Wille kommt von oben
Laß‘ uns von unten durch den Keller rein
Was zum Teufel hat Dich bloß so verbogen?
Wir wären nicht was wir sind ohne ein Stück Illusion
Wir wüssten nicht mehr wohin, nicht zurück, nicht nach vorn
Wir tragen zur Schau, wir wahren den Schein
Wir können alles sein

Anna Depenbusch, „Wir sind Hollywood“

Lachen, scherzen, unterwegs sein und andere treffen, immer ein Lächeln auf den Lippen und mit Leben diese Stille füllen – was sollte ich denn auch sonst tun? In mir ruht so hartnäckig und tief ein Schweigen, das sich in den Wänden festbeißt und mit mir verschmolzen ist, daß ich noch immer manchmal zu zerbrechen drohe. Wohin mit der Angst, der Traurigkeit und der Herbstmelancholie, die unter den letzten Sommersonnenstrahlen zuckt und doch schon im Schatten lauert? Es fehlen Worte, und in dem schwankenden, wirbelnden Tanz der fallenden Blätter kreisen Erinnerungen und Gedanken bedrohlich dicht unter der Oberfläche des Bewußtseins, rauben den Schlaf und stören den Tag.
Und „Alles wie immer, alles ist okay“ wird zum Credo, zum beruhigenden Mantra, wenn ich mir den Mantel des Lächelns umlege und wieder hinausgehe, immer wieder hinaus – gegen die Stille.

13. September 2011

Was immer mir der Wind erzählt.

Taren • am 13.09.2011 um 13:16 in bitterschokolade, erlebt
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Eine Haut aus Glas, so dünn, so durchscheinend. Ich schwanke zwischen Vorfreude und Traurigkeit, ein Taumeln zwischen den unterschiedlichen Welten – eine Ahnung künftigen Glücks im Wiedersehen mit den Freunden, mit der Liebsten, im Spüren des Windes auf meiner Haut, Salz und Wellen, Meer und Gischt, meine vertraute, gemütliche Wohnung, mein eigenes Bett und die Geborgenheit des Daheimseins. Und gleichzeitig bohren Abschiede schmerzhaft in meine Haut, das Bewußtsein des Fehlens, des Vergehens. Man gewöhnt sich so schnell an das Zusammensein, an die leichte Selbstverständlichkeit der Gegenwart von Menschen, ja, ich habe mich sogar an die schwierige und anstrengende Arbeit gewöhnt, an meine Patienten, an die Wege in der Klinik und die Kollegen. Doch am meisten werden sie fehlen, die Menschen, die mir wie Teile von mir selbst erscheinen.

Ich hasse Abschiede.

22. Juli 2011

Falling leaves.

Taren • am 22.07.2011 um 23:32 in bitterschokolade
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Graue Wolkenbänder verschlingen den Himmel und waschen den Staub aus den Straßen, bis nichts mehr bleibt als Müdigkeit und Stille, leergespült und ausgewrungen auf schwarzem Alphalt. Tropfen schlagen monoton gegen die Scheiben, rollen daran herab und stürzen in den Abgrund darunter, kalte, bittre Luft ströhmt nach Feuchtigkeit riechend in den Raum.
Als hätte der Dauerregen mich ausgehöhlt, mein Innerstes in seinem Fluß fortgetragen und in den Pfützen der ganzen Stadt verteilt sitze ich und blicke einfach nur hinaus, in das Silber der zerplatzenden Nässe, in Nacht und Dunkelheit und Raum. Erschöpfung, bleischwer und lähmend, eine Haut aus dünnem Glas, durchlässig wie Pergament und ebenso brüchig, und in mir ein tiefes, lebloses Schweigen.
Ich sehne mich, und kann doch nicht sagen, wonach – Herbstlaubstimmung.

03. Juli 2011

Sonntag Morgen.

Taren • am 03.07.2011 um 13:34 in bitterschokolade
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Des cendres de ton cœur, réchauffe ton génie,
dans la sérénité, souris à tes douleurs.
La Muse apaisera ta souffrance bénie.
On est grand par l’amour et plus grand par les pleurs!

Jacques Offenbach, „Les Contes d’Hoffmann“

Der graue Himmel hilft nicht grade dabei, das warme, gemütliche Bett zu verlassen. Mit einem Buch und der Musik des gestrigen Abend bleibe ich liegen, stundenlang, während der Vormittag an mir vorbei zieht, doch all das schafft nur Aufschub, keine neue Energie, und noch immer krallen sich Müdigkeit und Demotivation fest in meinen Rücken, als die letzten Töne der Oper verklungen und die letzte Seite gelesen sind.
Ich verliere mich in mir selbst, und fliehe nun schon seit Wochen vor der eigentlichen Arbeit, für die ich keine rechte Kraft in mir finde. An Bord oder in der Welt der Musik fühle ich mich wohl, doch daheim lähmt mich bereits der Anblick des gut gefüllten Ordners, der bearbeitet und gelesen werden will.
Ich kenne dieses Gefühl, ich weiß, daß ich regelmäßig zum Ende des Sommersemesters keine Energie mehr habe und unter der langvertrauten Melancholie zu ersticken glaube, ich weiß, daß es wieder vorbei gehen wird, und doch – es fällt schwer. Ich ertrage mich selbst nicht gut, launisch, reizbar und maulig, wie ich bin.
Vorankommen, vorarbeiten, etwas schaffen, damit ich endlich, endlich Boden unter den Füßen habe bei meiner Arbeit, vielleicht ein Wochenende aus dem Norden entfliehen – und vor allem diesem Negativen, Niedergedrücktem, Alten keinen Raum geben, es nicht wachsen lassen, es mit Schwung aus mir selbst hinauskehren. Ich will nicht zurück, ich will vorwärts, und kein grauer Himmel darf mich daran hindern.

Vergangenheit -