erlebt

20. November 2016

To the wind that blows, the ship that goes and the lass that loves a sailor.

Taren • am 20.11.2016 um 19:46 in erlebt, maritim
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Der Wind, der mir scharf ins Gesicht weht, schmeckt nach Regen, Meer und Kälte. Unter meinen Füßen ist nur das etwa fingerdicke Fußpferd der Vorroyalrah, und in der kühlen Luft sind meine Finger, die mit den fest gebundenen Zeisern kämpfen, steif und grobmotorisch. Als ich nach diesem ersten Aufentern ins Rigg wieder an Deck steige, entdecke ich mehrere blutende Wunden auf meinen Handrücken – das Rigg, welches ich drei Jahre lang nicht betreten habe, rächt sich für die Missachtung. Und ich? Ich fühle mich, als würde ich zum ersten Mal seit Jahren wieder Luft bekommen, als wäre ich endlich, endlich wieder ganz erwacht.
Ich weiß nicht, wie genau ich eigentlich die letzten Jahre gelebt habe, wie ich es geschafft habe, auszuhalten, daß ich nicht an Bord eines Schiffes war. Der Alltag, die Arbeit – ja, natürlich. Viele kleine Ersatzhandlungen: die Modellschiffe, der SpoBo, andere Freizeitaktivitäten. Erst jetzt, nach vierzehn Tagen mit Planken unter meinen Füßen, Tampen in den Händen, die meine weiche Doktorandenhaut in Leder und Schrunden verwandeln und mit dem weiten, unendlichen Atlantik um uns herum spüre ich, wie sehr mir das Segeln, das Schiff gefehlt hat. Wie sehr ich selbst mir gefehlt habe, dieses Ich, das nur an Bord eines Schiffes so lang und klar und einfach ist.
Alles, was in diesen Tagen zählte, waren sehr klare und einfache Dinge: wann habe ich das nächste Mal Wache? Wie ist das Wetter, wie ist der Wind? Welche Segel haben wir gesetzt? Wann gibt es das nächste Mal Essen? Wo genau sind wir? Sind Delphine zu sehen? Sterne? Meeresleuchten? Wo ist dieser riesige orangerote Mond von der letzten Nacht?
Ich habe nächtelang in Hängematten gelegen und mich vom sanften Schaukeln des Schiffs in den Schlaf wiegen lassen. Ich war beinah jede Nacht zwischen 0 Uhr und 4 Uhr an Deck, Ruder gehend, Ausguck gehend, mit meiner Wache lachend und scherzend und lernend und Geschichten erzählend und gemeinsam wach. Ich habe Sternschnuppen gezählt und unzählige Wünsche in die Nacht geflüstert. Ich war nachts bei Wind, der in Böen Windstärke 8 hatte, hoch oben auf der Bram und habe Segel beigefangen. Ich habe im Rigg gearbeitet, stundenlang in meinem Klettergurt gehangen und mit Hüsing und Draht hantiert, ich habe mich vom Seegang bei meterhohen Wellen durch die Kombüse schleudern lassen, habe Plätzchen gebacken, bin früh morgens aufgestanden, vor dem Wecken, nach nur zwei Stunden Schlaf, um für die Crew und einen besonderen Matrosen heiße Schokolade zu kochen. Ich wurde im Klüvernetz von Wellen überspült und von Rasmus mehr als einmal gebadet, ich war bei Kap Finisterre im Meer schwimmen und habe in La Coruna in einer Hafenkneipe eine Runde geschmissen. Als hätte ich in diesen zwei Wochen für Monate gelebt.

Jetzt spüre ich die Sehnsucht nach dem Schiff, nach der See und nach den Menschen beinah körperlich auf der Haut. Und doch, trotz dieses Fehlens, ist das Glück dieser zwei Wochen eingraviert in mein Lachen, steckt tief in meinem Bauch und lässt mich strahlen, wenn ich nur daran denke. Und es gibt Pläne, wundervolle Pläne, bald wieder an Bord zu gehen.

„Wir verstecken uns dort, wo die Zukunft uns nicht findet.
Überall, nur nicht daheim.“
Spaceman Spiff – Egal

02. Februar 2016

Seifiges – eine Ankündigung

Taren • am 02.02.2016 um 12:59 in außen, erlebt, verzaubert
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Manchmal kommt man ja zu einem neuen Hobby wie die Jungfrau zum Kinde – obwohl in diesem Falle meine Unschuld im Vorhinein sicherlich schon gewaltig angegriffen war. Alles begann vor inzwischen etwa vier Jahren, als ich, der bösen chemischen Haarfarbe entfliehend, von normalem Shampoo auf Naturshampoo ohne Silikone umstieg. Zusammen mit einem immerhin einjährigen Ausflug in die Welt von Hennafärben, dem Gefühl und Geruch von Kuhfladen auf dem Kopf und dem ewigen Leid nicht so schön bunt leuchtender Haare wuchs mein Interesse an Kosmetikprodukten, deren Inhaltstoffe überschaubar, ökologisch und frei von schädlichen Kunstprodukten waren. Und auch, als ich der Verlockung herrlich quietschorange leuchtender Haare dann doch wieder erlag, blieben die Silikone aus meinem Shampoo verbannt.
Zwei Jahre später infizierte mich, wieder einmal, die liebste Kreativfreundin mit einem weiteren Schritt in Richtung Ökonazitum. Seifen und Haarseifen (mit letzteren wurden meine Wasserstoffperoxid-erfahrenen Haare jedoch nicht so richtig glücklich), Lush als Übergangsstation mit festem Shampoo und Spülungen – die Dinge, die in meiner Dusche lagen, wandelten sich rapide. Zunächst erschienen die festen Haarprodukte, dann, für den Alltag zunächst nur, auch Körperseifen (und Bionaturduschgel nach dem Sport) und alternative, zum Teil von der Freundin sogar selbst angerührte Deos. Das Gefühl, nur nach Duschgelbenutzung richtig sauber zu sein, schwand ebenso schnell wie das Bedürfnis nach Sprühdeos und Vereisungen unter den Achseln.
Mit diesen Veränderungen kam ein sanftes Missionierungsbedürfnis bei sowieso für solche Dinge interessierten Menschen des Umfelds. Meine Mutter ließ sich schnell mit in das frisch in See gestochene Boot holen, und sie brachte dann sogar eine Freundin ein, die seit Jahren selbst Seifen herstellte – perfekt! Mit ihr verlor sich dann auch das Lush-Shampoo, da sie, angefixt durch die Idee eines festen Shampoos, rasch selbst welches herstellte, das meinen hohen Anforderungen entsprach. Perfekt!
Pakete voll bunter, herrlich riechender handgesiedeter Seifen, bestellt bei Seifenhexen im Internet, trafen bei mir und den anderen ein, Seifen und Erfahrungen wurden zum beliebten Gesprächsthema. Und dann, vor anderthalb Wochen, folgte der nächste Schritt: der private Seifensiedeworkshop bei Muddis Freundin. Einen Tag lang mit Fetten, Ölen und Düften spielen, Gurke pürieren und Milchpulver abwiegen, und am Ende des Tages glücklich vor zwei unterschiedlichen Seifen stehen, die ganz nach unseren Vorstellungen entstanden waren.

Und damit hatte es mich erwischt. Wieder daheim in meiner Dachstube am Rande der Felder folgte der Großeinkauf bei unterschiedlichsten Händlern vor Ort wie virtuell – Öle, Düfte, Fette, lustige verrückte Zusatzstoffe, Seifenformen und Gerätschaften, Thermometer und Eiswürfelförmchen. In den nächsten Tagen müßten die noch fehlenden Pakete eintreffen, und dann geht es los! Vermutlich schließe ich mich die nächsten Wochenenden daheim ein und probiere eine verrückte Mischung nach der nächsten aus. Hihi.

Langer Rede kurzer Sinn: wundert euch nicht, wenn hier in Bälde Fotos von Seifen und Rezepten auftauchen.

(Ich habe einen Piratenseifenform! Arrrrr!)

24. November 2015

Ein bisschen Dekadenz

Taren • am 24.11.2015 um 10:35 in erlebt
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An einem ganz normalen Arbeitswochentag mit selbstgemachtem Bananenhaferbrei und dem besten Café Latte der Welt zu frühstücken, ist dekadent. Und toll. Und dann auf dem Fahrrad durch die gefrorenen Felder fahren, den eiskalten Fahrtwind durch die Mütze hindurch auf den Ohren spüren und in den grauen Himmel lachen – einfach perfekt!

08. Mai 2014

Lichter der Stadt.

Taren • am 08.05.2014 um 01:39 in erlebt, gefragt, verzaubert
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Tage voller Leben.
Der normale Studiumsalltag, und dann nach den Seminaren und einem Kaffee mit Kommilitonen direkt in die Bibliothek, um an einem der langen, weißen Tische unter dem künstlichen Licht von Leuchtstoffröhren viele Stunden in Bücher vergraben an der Masterthesis zu arbeiten. Es beginnt, endlich, dieses anstrengende, große, aufregende Projekt, und nun, da all die Altlasten aus den letzten Semestern endgültig erledigt sind, darf ich mich ihm widmen, darf Bücher in großen Mengen aus den unterschiedlichen Fachbibliotheken quer durch die ganze Stadt ausleihen und mit schweren Taschen, aber einem ganz leichten Herzen Tag für Tag erneut in die Unibib fahren. Mein Thema, etwas, das meinen Ansprüchen an Wissenschaft und mich selbst wieder genügt, und das sich so unendlich groß und neu vor mir ausbreitet – ich genieße es.

Und abends, wenn sich die vielen Tische geleert haben, die Sonnenschutzjalousien vor den Fenstern schon lang wieder hochgefahren sind und nur noch vereinzelt Köpfe tief über Büchern oder Bildschirmen gebeugt sind, dann packe auch ich irgendwann all die schweren Bücher und Aufsätze und Papiere zurück in die Tasche und schwinge mich auf mein Rad, heim. Schnell daheim einen bunt zusammen gewürfelten Salat, die Sachen abstellen, und dann wieder weiter, in einige wenige Stunden der Freizeit. Freunde, der Liebste, Sport und Kino, sie alle fallen nun in die Abendstunden. Und doch, noch bin ich glücklich, wenn ich wie heute spät nachts von der Sneak aus dem kleinen Lieblingskino durch die regennassen Straßen zurückfahre, zufrieden mit der Arbeit des Tages. Die ehemaligen Kollegen, die sich so freuten, mich zu sehen, kleine Pläne und Verabredungen, und auch schon wieder die Vorfreude auf den morgigen Tag zwischen den Büchern.

Und dann, auf dem Heimweg, der durch die kleinen Straßen an der Wohnung des Liebsten vorbeiführt, der kurze Gedanke: einfach anhalten, klingeln, und mich für wenige Momente oder vielleicht doch den Rest der Nacht in seine Arme schmiegen und gehalten werden und halten zugleich – und mit einem Lächeln und Wärme in der Brust fahre ich vorbei. Das bloße Wissen um ihn, und dieser kleine Moment, in dem ich vorbeifahrend ganz nahe bin, sie reichen schon, um mich jetzt heute Nacht in meinem eigenen Bett nicht mehr allein zu fühlen.

21. April 2014

Frühlingserwachen.

Taren • am 21.04.2014 um 14:07 in erlebt, verzaubert
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Schützend liegt direkt vor dem Fenster das Wasser des Burggrabens, eine tiefe Schneise zwischen der umgebenden Welt und uns. Mit einem versonnenen Lächeln lasse ich die kalte Frühlingsluft über meine nackten Arme streichen und schaue über den sonnengetränkten Rasen jenseits des Wassers. Es ist ein perfektes Blau, was sich über den Himmel ausgebreitet hat, und ich lege den Kopf in den Nacken und strahle in seine Weite hinein.
Ein Schloß, ein großes Zimmer ganz für uns, und so viel Raum für kleine alberne Träumereien von Prinzessinnen und Burgfräulein, von Rittern und Minne und alter Zeit. Deine Arme um mich herum gelegt, und ich finde Geborgenheit und Wärme in deiner Umarmung. Hand in Hand schlendern wir um das Schloß und durch seinen Garten, stehen eng aneinander gelehnt auf den Brücken über den tiefen Wassergraben und schmieden gemeinsam verrückte Pläne und Geschichten. Für einen Abend, eine Nacht und einen Morgen bist du mein Ritter und ich deine Maid, entflohen der alltäglichen Welt nur wenige Kilometer entfernt, verborgen hinter dicken Mauern. Gestohlene Küsse, heimliche Umarmungen und verzauberte Stunden als unerwartete und wunderbare Überraschung, und heute früh werde ich von Gänsegeschnatter vor dem Fenster und deinen Händen geweckt, die mich sanft liebkosen. Selten bin ich so froh erwacht…!

Und am Abend davor tanzen, lachen und singen, ein sich verlieren in der Musik und in der fantastischen Welt. Wir beiden Mädels, kostümiert und hübsch, vergessen unsere männliche Begleitung und springen, kreisen, vergessen uns in Klang und Wort und Melodie, brüllen begeistert die obszönen Liedtexte mit und feiern die Musiker und uns. Stulpenstiefel, kurzer Rock und aufreizend enge Korsage über der weiten weißen Bluse verwandeln mich für einige Stunden in eine Piratin, und da ist es nur konsequent, daß wir miteinander kuscheln und die Nacht rumtrinkend worüberziehen lassen, ohne nur an Schlaf zu denken.

Leben ist so wunderbar.

12. Februar 2014

Seriously?!

Taren • am 12.02.2014 um 16:07 in erlebt
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Manchmal verwöhnt uns die Welt, ohne daß wir es richtig mitbekommen. Mit vergehender Zeit werden manche Themen immer weniger aktuell, sie bleiben zwar schwierig, aber ohne diese tagtägliche Brisanz. Der Umgang mit meinen Narben wird vermutlich nie ganz leicht für mich sein, aber grundsätzlich habe ich mittlerweile einen Mittelweg gefunden, mit dem ich meistens leben kann – zumindest im Winter, im Alltag, bei Freunden. Unterschiedliche Umgebungen erfordern unterschiedliche Dresscodes, die sich eigentlich inzwischen eingespielt haben.
Langärmlig mit selten einmal bis zum Ellenbogen hochgeschobenen Ärmeln in der Uni. Hochgeschobene Ärmel auf der Arbeit im Café, schon aus Hygiene- und Wohlfühlgründen. Ganz langärmelig in Vorstellungsgesprächen oder Sprechstunden in der Universität, und im Praktikum. Der Temperatur angepaßte Zwischenebenen überall sonst – Freunde kennen mich in allen Stufen zwischen dickem Pullover und kurzem Top.

Natürlich bleiben die Blicke. An manchen Tagen spüre und bemerke ich sie mehr, an anderen gar nicht. Zuweilen werde ich offen angegafft, manchmal nur verstohlen gemustert, ab und zu angesprochen, was ich da getan hätte, was das sei, wie es mir jetzt gehe. Im Gegensatz zu früher, als die Narben noch röter und frischer waren, gibt es kaum noch heftige verbale Ablehnung, Anfeindung oder generell Kommentierung. Die Welt staunt und schaut, aber tut dies meistens stumm.

Vielleicht ist es damit verständlich, weswegen mich der Gast gestern Abend im Café so besonders irritierte. Mich sprachlos zu machen ist nun wirklich nicht einfach, dennoch fehlten mir gestern die Worte. Eigentlich war zunächst alles wie immer – ich habe die beiden Männer an dem 5er-Tisch freundlich und höflich bedient, und die Kommunikation war normal. Auch als sie mich zum Bezahlen an den Tisch winkten und ich kassierte, war nichts seltsames zu bemerken. Ich gab das Wechselgeld heraus, und wollte mich eigentlich bereits verabschieden und ihnen einen schönen Abend wünschen, als der ältere Mann der beiden noch einmal das Wort ergriff, er müsse das jetzt einfach sagen.
Dann sprach er von extremem Exhebitionismus, von unnatürlichem zur Schau stellen, von ungebührlicher Kleidung und davon, wie es ihm jedes Mal den Magen umdrehe, wenn er gezwungen sei, das zu sehen. Wie ich es wagen könnte, meine Umwelt mit so etwas zu belasten. Wie absolut unpassend mein Exhebitionismus sei, wie rücksichtslos, daß ich meine Narben anderen Menschen so aufdränge. Es fielen die Worte „widerlich“ und „belastend“, und daß es keineswegs zur persönlichen Freiheit gehöre, Narben derart zu präsentieren.
Ich war sprachlos, wirklich. Meine Schlagfertigkeit ließ mich in diesem Moment vollkommen im Stich, so daß ich wie ein abgekanzeltes kleines Mädchen vor diesem Tisch stand und nur mit einem lahmen „Das ist Ihre Meinung, ich sehe das anders“ reagierte.

Es macht mich nach wie vor fassungslos, auch heute noch. Die Dreistigkeit, derart unpassend einen anderen Menschen persönlich anzugreifen, diese Überheblichkeit, über Aussehen, Kleidung und Erscheinen eines anderen nicht nur zu urteilen, sondern sie zu verurteilen und abzuwerten in der eigenen Selbstgerechtigkeit – das übertrifft beinah alles, was ich jemals wegen meiner Narben erlebt habe.

Wie kann ich es nur wagen, anders auszusehen, und mir dann auch noch die Freiheit nehmen, damit einfach so zu leben?!

22. Januar 2014

Fülle.

Taren • am 22.01.2014 um 23:37 in denken, erlebt, fühlen
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“ deine augen sprechen bände

deine narben ein bücherregal „

[Spaceman Spiff – wände]

Immer zwischen den Dingen.
So viel erlebt. So viel war, so viel kommt. Pläne, Träume, Hoffnungen, Vorfreude und zugleich auch Angst. Ich verkaufe eine Ziege, die ich noch nicht besitze, und auch, wenn ich glaube, daß ich eine Ziege besitzen werde, ist es doch ein bisschen optimistisch, jetzt schon um den Preis zu feilschen. Und dennoch – wie glücklich macht es, daß ich mit meiner nicht vorhandenen Ziege bereits so interessant bin…!
Vorfreude, Unsicherheit. Ein wenig ist es auch weiter ein Schwanken zwischen Erwachsensein und es doch noch nicht sein wollen, zwischen dem selbstbewußten Voranschreiten und dem Festkrallen am Vertrauten. Kann ich das? Überfordert mich das nicht? Und zugleich lockt es und meine Neugier läuft allem hinterher und ich will mich stellen, es wagen.

Es wäre so, so, so unendlich gut, wenn das alles funktioniert.

Und ja – irgendwie mag ich die Stadt.

ich weiß
dass ich immer die wahl hab
zwischen kant und peter pan
zwischen altbau und nimmerland
zwischen nüchternheit und wahn

und kant sagt du bleibst wo du hingehörst
und peter sag flieg wohin du willst
und ich… lass die beiden allein und sag
komm
nimm deine tanzschuhe mit
wir verschwinden in musik
wir verstecken uns dort
wo die zukunft uns nicht findet
und fallen dann wieder zurück

[Spaceman Spiff – egal]

15. November 2013

Seemann.

Taren • am 15.11.2013 um 10:00 in erlebt, maritim, verzaubert
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Die See hat mich lieb,
die See weiß es gibt
mehr als einen Weg zum Ziel.
Ich vertraue ihr blind,
ich bin ein Kind
der See.

Hafennacht

Zehn Tage auf See, und davon so viele, an denen kein Ufer am Horizont herübergrüßte. Endlos war die Weite der Wellenberge, die das Schiff rollen und stampfen ließen. Gischt schlug über den Bug, und badete alles in ihrer salzigen Flut. Die Bullaugen an meiner Kojen tauchten den Raum immer wieder in tiefgrünes Licht, wenn gurgelnd die See gegen die Scheiben schlug, und Schlaf war beim Schwanken oftmals nur schwer zu finden.
Es war eine wundervolle Reise. Die Stunden der Wache an Deck, in viele, viele Schichten gehüllt, in denen sich unter unseren Füßen unser Schiff unermüdlich dem Ziel entgegenkämpfte, schleudernd in den Gewalten des Meers. Hagel und Regen und Dunkelheit nachts, tagsüber manchmal einzelne herrliche Sonnenmomente, in denen wir plötzlich durch geschmolzenes Gold segelten. Mitunter kauerten sich alle, die nicht Ausguck oder Ruder zu gehen hatten, in kleinste Ecken unter dem Schanzkleid, nur um ein wenig Schutz vor dem Wind zu finden. Kaum einer blieb von Seekrankheit verschont, doch das alles war es wert – hoch oben auf den Rahen der Roald mit Blick über Meer, Wellen und Horizont, mitten in Regen und Gischt und Wind, liegt ein bisschen des reinsten Glückes, Freiheit in weißen Segeln und in rauen Tampen. Bis zur Brust einzutauchen, während man im Klüvernetz die Vorsegel beizufangen versucht, von hochschlagenden Wellen überflossen zu werden im Kampf mit dem widerspenstigen Tuch – nie fühlte ich mich so lebendig wie in diesem Wettkampf mit den Elementen.
Doch es sind nicht nur die lauten, wilden Momente, die den Zauber dieser Reise ausmachen, nein. In einer durchsegelten Nacht unter dem so großen Sternenhimmel stundenlang auf dem Vorschiff Ausguck gehen, umgeben von hunderten und tausenden von Lichtern auf und über dem Meer, und heimlich immer wieder den Blick nach oben erheben, um Sternschnuppen zu zählen, war beinah überwältigennd schön. Morgens von einem fröhlichen „Reise Reise, aufstehen!“ geweckt zu werden, und dann mit einer kaffeegefüllten Mugg schnell schon einmal an Deck zu huschen, um nach Wetter und See zu sehen, oder nachts die Hafenwachen zu zweit, in denen wir mit Tampenjagd und Knotenkunde und Erzählungen die Kälte und Dunkelheit vertrieben. Am letzten Abend die halbe Nacht mit Gitarre durchzusingen und zu lachen – so viele Lieder, so viel Musik!
Generell gab es so viel zu lernen, zu entdecken, zu erkunden! Besonders in den ersten Tagen kam ich kaum jemals zum Atemholen, ein neues Schiff wollte schließlich erobert werden, und immer gab es etwas, bei dem man mit anfassen konnte, bei dem Neues zu erforschen war. Nur zu bereitwillig beugten sich die anderen meinem Wissendurst und zeigten und erklärten mir gern, was immer ich wissen wollte. Überhaupt waren wir eine großartige Crew! So viele interessante und unterschiedliche Menschen, so viel Erfahrung! Um so mehr schmeichelte es mir natürlich, daß sie alle großen Wert darauf legten, aus diesem einmaligem Fremdgehen eine dauerhafte Liaison zu machen, und sie gaben sich große Mühe, mich auch in Zukunft an dieses Schiff zu binden. Natürlich ist es ihnen gelungen, eigentlich hatte ich nie eine Wahl. Was soll man machen, wenn der Captain persönlich einen auffordert, wieder mit ihm auf Reise zu gehen?
Und so ging die Anmeldung für die nächsten Reisen bereits heraus, so viel ist noch zu lernen. Und hoffentlich hilft das Wissen, daß in wenigen Monaten schon wieder Planken unter meinen Füßen sein werden, gegen das Vermissen, das so, so groß ist. Kaum jemals war es so schwer von Bord zu gehen. Und, wer weiß? Vielleicht sehe ich ja auch auf einer anderen Reise einen ganz besonderen Matrosen wieder.
Seeliebe, Seemannsliebe.

09. Juni 2013

Augenblick, verweile doch.

Taren • am 09.06.2013 um 01:20 in erlebt, fühlen
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Du bist mein erster Gedanke am Morgen, mein letzter am Abend. Du, immer und immer wieder du.

Aber dennoch: Arbeit tut gut. Selbst an Tagen wie heute, wenn mir die gestrige Schicht und der Infekt der Woche noch in den Knochen stecken, selbst wenn das Wetter hier im Süden, wo nicht der ewige norddeutsche Wind die Hitze mildert, bereits jetzt tagsüber Temperaturen erreicht, die für mich eigentlich schon jenseits der Schmerzgrenze liegen, selbst wenn ich viele viele Stunden im Service bin und laufe und laufe und laufe, macht es Spaß. Ich vergesse die Gäste einfach, die wegen Kleinigkeiten sinnlos schimpfen, denn es gibt genug, bei denen es ausgesprochen amüsant ist, sie zu bedienen. Die quietschfidele Herrenrunde, das sympathische lesbische Pärchen, das alte Ehepaar, was mit viel Geduld und Humor auf Wartezeiten reagiert, um nur einige zu nennen, der Stammgast, der sich jedes Mal so sehr freut, wenn ich arbeite (und der außerdem gar nicht schlecht aussieht, krkrkr – Dozent an der Uni, altersmäßig mein Beuteschema, und sehr nett!) – sie alle machen die vielen Stunden auf den Beinen angenehm und sinnvoll. Derart unter Menschen zu sein tut durchaus gut: scherzen, lachen, flirten (oh, wir haben so manches sehr attraktives Mädel unter unseren Stammgästen, hihi!), das alles gehört dazu. Die Kollegen, die effektiv und freundlich und hilfsbereit sind und mit denen im Team sich jede Herausforderung bewältigen läßt, tun ihr übriges – und ich fühle mich dort wohl, zugehörig.
Und dann, zum Ende der Schicht, gegen Mitternacht, wenn meine Armmuskeln sich schon über die viele Belastung beschweren, kommt die Aufgabe, die ich zum Abschluß besonders gern erledige: die Terasse abbauen, Stühle und Tische leerräumen und stapeln, und das in der kühlen Nachtluft ganz für mich allein. Die bunten Kerzen erlöschen unter meinem Atem, und ein letztes Mal gilt es, Kraft und Reserven zu strapazieren, und dann habe ich Feierabend. Ein Bier mit den Kollegen vom Kino am Tresen, ein paar gesellige Sätze, und dann verabschieden und mit dem Fahrrad durch die Nacht fahren – glücklich.

18. April 2013

To cope, and so much more.

Taren • am 18.04.2013 um 18:33 in erlebt
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Der Himmel ist klar
und der Mond, der scheint,
der Wind steht gut
und die Nacht ist warm.

Thees Uhlmann

Sonne, Wärme, strahlender Himmel, manche Seminare, die sich als viel weniger furchtbar herausstellen, als ich das befürchtet habe, Sport und so viel Bewegung und Freude daran, daß ich zwei Stunden grinsekatzengleich durch den Raum hopse, Muskelkater und so viel Vorfreude, Kinoabende und gewonnene Freikarten, und pures Glück unter blühenden Bäumen auf der Heimfahrt.
Und dann auch noch der Nebenjob, den ich so dringend haben wollte, ab sofort, und morgen schon der erste Vormittag im Kino – und danach dann du, und wäre nicht sowieso schon alles gut, dann wäre es dann, wenn du neben mir sitzt.

Alles, alles, alles ist gut.

Vergangenheit -