denken

20. April 2017

Archiv

Taren • am 20.04.2017 um 17:13 in denken, fühlen
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Ich war mir inzwischen so sicher. Die Sache war abgeschlossen, die Hoffnung seit Jahren begraben und besiegt. Ich hatte abgeschlossen, hatte Gefühle, Gedanken und Träume schön säuberlich beschriftet weggelegt und archiviert, Wunden genäht und verheilen lassen. Ein altes Regalbrett mit den Relikten zwischen anderen alten Kisten, säuberlich abgeheftet und verschlossen. Früher, ja, da habe ich vielleicht noch manchmal zu den Ordnerrücken hinüber geblickt, ein kurzes „was wäre, wenn..?“ voller Wehmut und Sehnsucht gedacht, doch auch diese Blicke wurden weniger. Der Alltag wehte Staub und Sand über die Deckel, und auch das Leiden hörte mit der Zeit auf. Wenn man mich fragte, was ab und zu vorkam, habe ich gelacht und gesagt, nein, ein Wiedereröffnen des Prozesses ist völlig ausgeschlossen. Alle Beteiligten sind sich da einig. Andere Ordner und Kisten wurden eröffnet und wieder verschlossen, und alles wurde Vergangenheit, Teil der Geschichte. Eine schöne Geschichte, keine Frage, aber eben nur das – Erinnerungen, Erzählungen, ein damals.

Doch dann kam Wind, wehte den Staub davon, blies den Sand aus den Ritzen und zerrte an den Verschlüssen. Und ich stehe vor der Entscheidung, ob ich wieder in die Hand nehme, was erledigt schien, ob ich öffne, was für Jahre verschlossen war. Was mich Monate, nein, ehrlich gesagt Jahre gekostet hat, es wegzupacken.

Ich weiß nicht einmal mehr, ob ich den Schlüssel dazu noch finde.

bist du mein norden?

30. Januar 2017

Winterabende.

Taren • am 30.01.2017 um 22:00 in denken
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Dunkelheit sickert durch die Fenster in meine Wohnung, in mein Zimmer hier über den Dächern. Regentropfen klopfen ihr Lied dazu auf das Dachfenster, verwischen die Lichter der Hochhäuser. Winter in der Stadt – nicht warm, nicht kalt, graues Schmuddelwetter, den ganzen Tag brennt Licht.
Ich sitze vor der Tastatur, suche nach Worten, nach Geschichten. Was mir jedoch einfällt, sind eher Erinnerungen – an Tage unten auf dem Steg am Meer, mit Büchern, Gitarre und Lachen. An den Wind, der immer durch die Straßen strich. An die Möwen, die auf den Dächern brüteten. An flatternde Fahnen, an Fähren und an die Typhone der ein- und auslaufenden Schiffe. An Nächte vor und hinter dem Tresen, für die man sich nicht einmal verabreden mußte. Mir fehlen die Menschen, die in den anderen Städten nie weit entfernt waren, die ich so voll Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit treffen konnte, wenn die Nacht zu dunkel oder der Tag zu lang war. Mir fehlt die Leichtigkeit in den Treffen, sich einfach mal nur für einen Kinofilm sehen, Stunden auf Spielplätzen Schaukeln besetzten und in den Himmel fliegen. Mir fehlt es, jemanden in der Stadt zu wissen, den ich jederzeit in meine Wohnung lassen würde, für den ich nicht aufräume oder putze, weil er mich so gut kennt, daß so etwas nebensächlich ist. Mir fehlt die Leichtigkeit, die ich mal hatte.
Aber die Menschen, die mir einmal so vertraut waren, sind inzwischen in anderen Städten, leben andere Leben. Partnerschaften, Hochzeiten, Kinder – und wenn wir uns sehen, räume ich vorher auf und putze die Wohnung. Die Gedanken, die ich früher am Meer oder auf einer Schaukel oder am Tresen so selbstverständlich mit ihnen geteilt hätte, bleiben nun auf meiner Zunge kleben und verstummen, bevor ich sie ausspreche. Da ist Fremdheit zwischen uns.

Vielleicht ist das der wirkliche Kern des Erwachsenwerdens.

15. November 2015

Paris.

Taren • am 15.11.2015 um 18:03 in denken, fühlen
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Die Anschläge von Paris machen fassungs- und sprachlos. Es gibt keine Worte für diese Taten, die zutreffen, die das Grauen, die Gewalt, die Abscheulichkeit der Taten zutreffend schildern könnten. Und es irgendwie gut, daß es keine Worte gibt – gäbe es Worte, würde das vielleicht bedeuten, daß solche Ereignisse zu unserem Leben gehören.
Die Angriffe haben uns (und ja, uns alle, nicht nur die Pariser, die Franzosen oder uns Europäer) im Herzen unserer Gesellschaft getroffen – in einem Konzertsaal, in Cafés, im Sportstadion. Dort, wo unser Leben stattfindet, dort, wo wir unsere Freizeit verbringen. Dagegen können wir uns nicht schützen, und selbst, wenn wir es könnten, sollten wir es nicht tun. Ich möchte mir nicht nehmen lassen, auf Konzerte zu gehen, im Café zu sitzen, im Stadion mitzufiebern, auch wenn ich an diesen Orten potentiell angegriffen werden kann. Ich möchte mein Leben nicht ändern, weil Terroristen, Vollidioten, mein Leben mit ihrem Hass und ihrem Wahnsinn verändern wollen. Ich möchte mir meine Freiheit nicht nehmen lassen, auch wenn das bedeutet, daß ich, daß wir alle verwundbar sind, genau dort: in unseren Cafés, auf unseren Straßen, in unseren Konzertsäälen und Clubs und Stadien. Laßt uns trotz der Anschläge auf Paris und trotz aller Anschläge, und ein bisschen auch grade wegen ihnen, offen und verwundbar und lebendig bleiben. Laßt uns leben und feiern und frei sein. Laßt uns weiterhin Fremde willkommen heißen, freundlich und tolerant und warmherzig.

Und in all der Fassungs- und Sprachlosigkeit und inmitten der Wut und des Mitleidens tue ich eines der vielleicht lebensbejahendsten Dinge, die man so tun kann: ich stricke Babysocken für dieses neue Leben. Und webe meine Wünsche um Frieden, Freiheit und Glück gleich mit hinein.

10. September 2014

Dämmerung fern.

Taren • am 10.09.2014 um 20:27 in denken, fühlen
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„Was immer mir der Wind erzählt, der Mond und ein Klavier,
sie singen nur das eine Lied, sie singen nur von dir.
Sie kannten dich schon vor der Zeit, bevor die Welt entstand,
dein Name ist in jeden Ort, in jeden Fels gebrannt.“
Konstantin Wecker

Neuanfänge, Aufbrüche. Wind und Geräusche streichen um neue, unbekannte Fenster, die Klänge dieser kleinen Höhle hoch oben unter dem Dach sind noch unvertraut und fremd. Manchmal sitze ich einfach nur still da und lausche in diese neue, fremde, große Stadt, lausche den Flugzeugen, den Zügen und Straßenbahnen, den Autos und den Zeugnissen anderer Leben. Ich wache morgens noch auf und erwarte mit dem ersten Aufschlagen der müden Lider eine andere Wohnung, einen anderen Ort zu sehen, und doch – mit jedem ausgepackten Karton, mit jedem kleinen Ding, das seinen Platz gefunden hat, wird es ein wenig heimischer. Und doch, jedem Anfang wohnt trotz des Zaubers darinnen auch ein Ende, ein Abschied nehmen, inne. Und ich spüre die Herbsttraurigkeit, die trotz der Sonnenstrahlen letzter Sommertage sich mit in diese kleine Dachkammer schleicht, ich ahne schon wieder Herbstmelancholie und das Vermissen. Ich vermisse schon jetzt. Freunde, Orte, Erinnerungen, die jetzt wirklich vergangen sind und nicht morgen schon wiederholt werden können.
Aber es darf ja auch die Traurigkeit sein.

08. Mai 2014

Lichter der Stadt.

Taren • am 08.05.2014 um 01:39 in erlebt, gefragt, verzaubert
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Tage voller Leben.
Der normale Studiumsalltag, und dann nach den Seminaren und einem Kaffee mit Kommilitonen direkt in die Bibliothek, um an einem der langen, weißen Tische unter dem künstlichen Licht von Leuchtstoffröhren viele Stunden in Bücher vergraben an der Masterthesis zu arbeiten. Es beginnt, endlich, dieses anstrengende, große, aufregende Projekt, und nun, da all die Altlasten aus den letzten Semestern endgültig erledigt sind, darf ich mich ihm widmen, darf Bücher in großen Mengen aus den unterschiedlichen Fachbibliotheken quer durch die ganze Stadt ausleihen und mit schweren Taschen, aber einem ganz leichten Herzen Tag für Tag erneut in die Unibib fahren. Mein Thema, etwas, das meinen Ansprüchen an Wissenschaft und mich selbst wieder genügt, und das sich so unendlich groß und neu vor mir ausbreitet – ich genieße es.

Und abends, wenn sich die vielen Tische geleert haben, die Sonnenschutzjalousien vor den Fenstern schon lang wieder hochgefahren sind und nur noch vereinzelt Köpfe tief über Büchern oder Bildschirmen gebeugt sind, dann packe auch ich irgendwann all die schweren Bücher und Aufsätze und Papiere zurück in die Tasche und schwinge mich auf mein Rad, heim. Schnell daheim einen bunt zusammen gewürfelten Salat, die Sachen abstellen, und dann wieder weiter, in einige wenige Stunden der Freizeit. Freunde, der Liebste, Sport und Kino, sie alle fallen nun in die Abendstunden. Und doch, noch bin ich glücklich, wenn ich wie heute spät nachts von der Sneak aus dem kleinen Lieblingskino durch die regennassen Straßen zurückfahre, zufrieden mit der Arbeit des Tages. Die ehemaligen Kollegen, die sich so freuten, mich zu sehen, kleine Pläne und Verabredungen, und auch schon wieder die Vorfreude auf den morgigen Tag zwischen den Büchern.

Und dann, auf dem Heimweg, der durch die kleinen Straßen an der Wohnung des Liebsten vorbeiführt, der kurze Gedanke: einfach anhalten, klingeln, und mich für wenige Momente oder vielleicht doch den Rest der Nacht in seine Arme schmiegen und gehalten werden und halten zugleich – und mit einem Lächeln und Wärme in der Brust fahre ich vorbei. Das bloße Wissen um ihn, und dieser kleine Moment, in dem ich vorbeifahrend ganz nahe bin, sie reichen schon, um mich jetzt heute Nacht in meinem eigenen Bett nicht mehr allein zu fühlen.

23. März 2014

Nein.

Taren • am 23.03.2014 um 13:13 in denken, fühlen
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Ich hasse psychische Krankheiten. Ich hasse sie alle – Ängste, Depressionen, Wahnvorstellungen, Zwänge, diese Aufzählung ließe sich beliebig fortführen. Ich hasse sie, weil sie in ihrem ganzen Wesen so unfaßbar unfair sind.
Natürlich, man kann alles schön reden. Natürlich kann man möglicherweise daran wachsen, natürlich kann man sie möglicherweise überwinden und gestärkter und stabiler daraus hervorgehen. Natürlich sind sie Herausforderungen, denen man sich stellen muß.

Vielleicht will ich deswegen faktisch nicht mehr Therapeutin werden. Psychische Erkrankungen, der ganze breit gefächerte und bis ins Kleinste ausdifferenzierte Mist, das sind für mich nicht einfach mehr Krankheiten, die man heilen kann. Es sind Feinde, meine Feinde, die nicht nur mein Leben über Jahre erschwerten und mich beinahe mein Leben gekostet haben, sondern es sind Monster, die töten, die verstümmeln, die Leid säen und Traurigkeit und Unglück.
Depressionen und Persönlichkeitsstörungen haben mir mehr als einen Freund und Bekannten genommen. Jetzt haben die Ängste eine weitere Freundin aus dem Leben gerissen, einfach, weil sie nicht mehr konnte, weil sie den Kampf, den sie seit so vielen Jahren führt, nun doch verloren hat.

Das ist nichts, dem ich ruhig und distanziert und gelassen begegnen kann. Ich will nicht da sitzen und meinen Patienten mit guten Ratschlägen und tollen Methoden dabei zusehen, wie sie kämpfen und kämpfen und vielleicht gewinnen. Das hier ist etwas persönliches, und da ist kein Raum für Distanz und Professionalität und Abstinenz. Dieser ganze Dreck der psychischen Leiden hat dafür zu viel genommen, nimmt täglich, stündlich. Ich habe eine ganze Liste von Menschen, die in jeder Minute kämpfen müssen, die so viel aufgeben mußten, weil dieses Monster ihr Leben bestimmt und zerfrißt. Und auch die Liste der Menschen, die irgendwann an diesem Kampf zerbrachen, wird immer und immer länger.

Ich HASSE psychische Krankheiten. Und ich werde mein Bestes geben, sie zu bekämpfen – ganz persönlich, mit der ganzen Wut und dem Zorn und dem Haß, der grade da ist, weil schon wieder ein wundervoller Mensch wegen ihnen gehen mußte. Weil schon wieder ein Mensch voll Freude und Lebensmut und Kreativität und Begabung aufgegeben hat.

Ich werde ihnen nirgendwo mehr freiwillig auch nur eine Sekunde Raum lassen, wenn ich es verhindern kann. Ihr habt genug Leben gefressen.

Coco, ich denke an Dich, wo immer auch Du jetzt bist.

22. Januar 2014

Fülle.

Taren • am 22.01.2014 um 23:37 in denken, erlebt, fühlen
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“ deine augen sprechen bände

deine narben ein bücherregal „

[Spaceman Spiff – wände]

Immer zwischen den Dingen.
So viel erlebt. So viel war, so viel kommt. Pläne, Träume, Hoffnungen, Vorfreude und zugleich auch Angst. Ich verkaufe eine Ziege, die ich noch nicht besitze, und auch, wenn ich glaube, daß ich eine Ziege besitzen werde, ist es doch ein bisschen optimistisch, jetzt schon um den Preis zu feilschen. Und dennoch – wie glücklich macht es, daß ich mit meiner nicht vorhandenen Ziege bereits so interessant bin…!
Vorfreude, Unsicherheit. Ein wenig ist es auch weiter ein Schwanken zwischen Erwachsensein und es doch noch nicht sein wollen, zwischen dem selbstbewußten Voranschreiten und dem Festkrallen am Vertrauten. Kann ich das? Überfordert mich das nicht? Und zugleich lockt es und meine Neugier läuft allem hinterher und ich will mich stellen, es wagen.

Es wäre so, so, so unendlich gut, wenn das alles funktioniert.

Und ja – irgendwie mag ich die Stadt.

ich weiß
dass ich immer die wahl hab
zwischen kant und peter pan
zwischen altbau und nimmerland
zwischen nüchternheit und wahn

und kant sagt du bleibst wo du hingehörst
und peter sag flieg wohin du willst
und ich… lass die beiden allein und sag
komm
nimm deine tanzschuhe mit
wir verschwinden in musik
wir verstecken uns dort
wo die zukunft uns nicht findet
und fallen dann wieder zurück

[Spaceman Spiff – egal]

02. September 2013

„Was liegt an?“ – „Nordnordost!“

Taren • am 02.09.2013 um 13:35 in denken, fühlen
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Die Zukunft kommt näher. Dieses unheimliche, fremde Etwas, was sich „Zeit nach dem Studium“ nennt, diese seltsame Phase, die dann einsetzt, wenn die letzten Prüfungsleistungen erledigt, die letzten Seminare besucht und die Masterarbeit abgegeben ist. Natürlich hat mich in den letzten Monaten zumindest manchmal die Überlegung beschäftigt, was nächstes Jahr um diese Zeit wohl sein mag. Was ich will. Wohin der Weg gehen soll.
Es waren keine ganz glücklichen Überlegungen. Viele Möglichkeiten sind zwar denkbar, aber nicht unbedingt etwas, was mich in Freudensprünge ausbrechen läßt. Es war eine Liste der „nicht ganz perfekten, aber realistischen Möglichkeiten 1 bis 10“. Und sie wurde begleitet von dem unangenehmen Gefühl, einen falschen Weg eingeschlagen zu haben und nun konsequenterweise diesen zwar weiterzugehen, aber dabei alles andere als glücklich zu sein. Oder glücklich werden zu können.

Und dann? Dann kam das Leben, unerwartet, von der Seite. Und mit einem Mal ist mein Studium wieder sinnvoll, ist der Weg zu Plan A, einem Plan, der mich möglicherweise ganz furchtbar glücklich macht und so so viel besser ist als alles, was zuvor auf der Liste der Möglichkeiten stand, in greifbarer Reichweite. Natürlich hängt da jetzt unglaublich viel Planung und Arbeit dran. Ich muß umstrukturieren und hart arbeiten, mich vorbereiten, mich bemühen. Dennoch – da ist Licht am Ende des Tunnels, viel davon, und ich habe nicht vor, dieses Licht wieder davonhuschen zu lassen. Oh nein, mein Freund, du gehörst mir!

Jetzt werden die Segel gesetzt, der Kurs bestimmt und ich gehe auf Fahrt. Ein wenig Unbekanntes liegt voraus, ein wenig Abenteuer, und natürlich habe ich auch ein wenig Angst, was hinter dem Horizont wartet – aber ich weiß, auf welchen Leuchtturm ich zuhalte. Und es ist wunderbar, wieder Ziele zu haben, die glücklich machen.

04. Juli 2013

Morgenblues

Taren • am 04.07.2013 um 10:54 in gefragt
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Manchmal gibt es Tage, an denen das Gewicht des „Erwachsen seins“ sich irgendwie zu schwer anfühlt, an denen ich nicht groß, eigenverantwortlich, vernünftig und fleißig sein möchte. Tage, an denen sich dieses ominöse „Gesund sein“ als eigentlich viel zu schwierig anfühlt, an denen ich zurückflüchten möchte in die Zeit, in der die Welt zu groß und zu kompliziert war und ich nicht mitgemacht habe. Einfach zuhause bleiben, nicht studieren, lernen, arbeiten, nichts müssen, nichts bedenken, nichts tun. Endlos Zeit für Müßiggang und für mich haben. Nicht weiter vorausdenken als für die nächste halbe Stunde, diesen Tag.

Ich gebe nicht nach, natürlich nicht. Gleich schwinge ich mich auf mein Fahrrad und radle zur Uni, in einen weiteren langen Seminartag. Ich werde zwischendurch lernen für die Klausur, mich um die organisatorischen Dinge des Alltags als junge Erwachsene kümmern und weiter vernünftig und groß sein, weiter die Verantwortung für mich und mein Leben tragen.

Geht das eigentlich jedem so? Daß manchmal dieses Leben als großes Mädchen einfach überfordert?

Nur noch zwei Wochen, dann kommt der Urlaub. Das wird schon.

06. Juni 2013

Frühsommerabend.

Taren • am 06.06.2013 um 22:08 in erkannt
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Langsam geht es wieder aufwärts. Nach drei langen Tagen Krankheit konnte ich heute, pünktlich zu meinem Referat, das Haus wieder verlassen. Und obwohl dieses Referat mehr als alle meine sonstigen in allerkürzester Zeit vorbereitet war und mehr als nur eine Lücke aufwies, waren die Rückmeldungen sehr positiv und aufbauend. Und dann? In der Mittagspause immerhin mit den anderen draußen in der Sonne sitzen, auch wenn mein Mittagessen alles andere als glücklich machend war, und danach Seminar draußen im Institutsgarten in der Sonne, mit Vogelgesang, blauem Himmel und leichtem Wind, der sanft über mein Gesicht und meine Haare strich.

Mir fehlt das überflutende, überwältigende Glück der letzten Monate, die Zufriedenheit und Freude, die mich so oft erfüllte, wenn ich von ihm hörte, mit ihm sprach, oder natürlich wenn ich bei ihm war. Mir fehlt das Wissen, daß ich die Tage zählen kann, bis er mich wieder in seine Arme schließt. Mir fehlt der Leuchtturm am Horizont, der er für mich war.
Dennoch wird es besser. Die Entscheidung ist getroffen, der Strich gezogen. Jetzt werden wir sehen, wie es weitergeht zwischen uns, wohin das Ganze führt. Es ist gut, daß er da ist, wenn auch nicht mehr so, wie er es war. Und es ist gut, daß (manchmal auch wider Erwarten) das Leben weitergeht. Lachen. Sonne. Sommer. Freude, Glück, schöne Momente, das alles gab es vor ihm und gibt es auch nach ihm. Und doch – ich vermisse die Tiefe, die alles an seiner Seite hatte. Jetzt ist meine Aufgabe, mich wieder an die kleinen Dinge, die kleinen Momente zu gewöhnen. Ans Alleinsein. An Abende, die ich nicht wartend auf das Klingeln meines Handys verbringe.

Und doch, auch wenn es sich noch nicht immer genügend anfühlt: es ist so gut, daß diese ganzen kleinen Momente da sind. Daß ich so oft nicht spüre, welche Lücke dort entstanden ist, wo Wärme war. Es wird besser.

Vergangenheit -