außen

13. Juni 2018

Wege.

Taren • am 13.06.2018 um 09:31 in erlebt, verzaubert
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Der Wecker reißt mich viel zu früh und unbarmherzig aus dem Schlaf. In den letzten Stunden seit dem Sonnenaufgang war ich immer wieder wach, zu hell war die Welt vor dem Vorhang, zu laut die Vögel, und dennoch – jedes Aufwachen bedeutete, mich ein weiteres Mal an sie kuscheln zu können und sie in meine Arme zu schließen. Ein Bein über ihrem, die ganze Fläche meiner Brust an ihren Rücken gelegt, so viel Nähe und Berührung und Sicherheit in dieser Position. Ich fürchte keine Alpträume mehr, weil ihre Umarmung alle schlimmen Gedanken und Bilder vertreibt. Selbst die Schlaflosigkeit von Stunden oder gar einer ganzen Nacht hat ihren Schrecken verloren – ihre Anwesenheit allein läßt die Dunkelheit der Nacht weniger undurchdringlich erscheinen.
Heute quälen wir uns viel zu schnell aus dem Bett, die Tagesplanung läßt keinen Raum für ein langsames Erwachen. Für einige Momente überwiegt die Frustration, daß heute nicht ihre Hände die Müdigkeit von meiner Haut streichen und ihre Lippen mir die Augen öffnen, daß ich nicht auf ihrer Schulter noch für kostbare fünf Minuten die Arbeit und die Welt vergessen darf, sondern unbarmherzig aus dem Bett geworfen werde, doch hält die schlechte Stimmung nicht lange an. Wie könnte ich maulen, da ich doch sie beobachten kann, wie sie sich anzieht, die Zähne putzt und mit so viel Selbstverständlichkeit und Anmut sich in meiner Wohnung bewegt? Es bleibt nur dieses altbekannte ungläubige Staunen, daß sie da ist, daß sie bei mir ist, daß es sie wirklich in meinem Leben gibt – und ich nehme mir, auch schon zum wiederholten Male, vor, ihr ein Fach im Regal oder im Schrank freizuräumen, um auch ganz physisch ihr den Platz in meinem Leben zu geben, den sie emotional längst einnimmt.
Dann brechen wir auf, zur Bushaltestelle und zur Arbeit, und ihre Hand liegt den ganzen Weg über in meiner, so richtig und normal und vertraut.

07. Juni 2018

Kaffeepause.

Taren • am 07.06.2018 um 10:48 in denken, erlebt, verzaubert
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Tage zählen, bis. Von Beginn an war jede Minute, jede Sekunde kostbar, doch desto schneller die Zeit vergeht, desto größer wird das Bedürfnis, den Sand der Uhr aufzuhalten, die Augenblicke festzubinden, damit sie nicht vergehen können. Ich bin furchtbar müde, doch eigentlich will ich nicht schlafen – lieber möchte ich sie ansehen, jeden Millimeter ihres Gesichts in mein Gedächtnis brennen. Ich möchte meinen Fingern die Erinnerung an die Haptik ihres Körpers, an jede Kontur, jede Linie in die Haut schreiben, damit ich sie abrufen kann, wenn sie nicht mehr jeden Abend neben mir einschläft. Also sammle ich, trotz des leise verzweifelten Wissens um die Aussichtslosigkeit, alle Momente mit ihr ein, versuche, mir einzuprägen, wie ihre Augen beim Lächeln strahlen, wie sich ihr Mund verzieht, wenn sie mich neckt, wie ihr Atem klingt, ihr Lachen und ihr Herzschlag. Ich beobachte, berühre, speichere tausend kleine Informationen: den Geruch ihres Nackens, die glatte Weichheit ihrer Haare, die Stellen, an denen sie kitzlig ist, die Wärme ihrer Haut, die Form ihrer Ohren und ihres Bauchnabels, den Anblick ihrer Zehen, und worüber sie lacht, was sie ärgert, wie sich ihre Stirn verzieht, wenn sie nachdenkt, wie es ist, sie zu halten, zu umarmen, zu küssen. Ich präge mir ein, wie sie schwerer wird, wenn sie auf meiner Brust einschläft, wie sich ihre Züge entspannen und der Rhythmus ihres Atems sich beruhigt. Festhalten, bewahren, gegen die Zeit der Trennung, gegen das Vermissen. Wenn wir verharren, wenn wir die Luft anhalten und uns nicht bewegen, vielleicht vergißt uns dann die Zeit.

Und noch immer stolpert mein Herz, wenn sie nur durch die Tür kommt.

04. Juni 2018

Früh.

Taren • am 04.06.2018 um 09:04 in erlebt, verzaubert
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Vor dem offenen Fenster ruft, irgendwo unten am Main, ein Kuckuck. Ich liege da mit geschlossenen Augen, gesenkte Lider gegen die Helligkeit, die sich an den Seiten des Rollos vorbei vorwitzig in den Raum zwängt, und lausche in die Welt. Die kleine Terz des Kuckucks, dazwischen das laute Gurren einer Taube, und Hunderte von anderen Vogelstimmen mischen sich mit den leisen Atemzügen der Liebsten neben mir. In dieser Nacht blieb mir der Schlaf größtenteils verwehrt, warum auch immer, und nun, morgens um kurz nach fünf, bin ich hin- und hergerissen zwischen Wachheit im Angesicht der hellen Sonnenstrahlen und der bleiernen Müdigkeit von ausgebliebenem Nachtschlaf. Schon ergebe ich mich dem Tag, schon greife ich nach dem Handy, um die Zeit bis zum Weckerklingeln mit Lesen und Facebook zu vertreiben, da dreht sich meine Bettgefährtin mit einem leisen Seufzen herum und schmiegt sich an mich, ohne dabei zu erwachen. Ihr Arm fällt sanft um meine Taille, und sie kuschelt ihr Gesicht ganz eng an meinen Hals, so daß jedes Einatmen einen kurzen kühlen Luftstrom und jedes Ausatmen Wärme über meine Wangen legt. Ich spüre ihren Brustkorb, wie er sich Haut an Haut mit meinem ausdehnt und zusammenzieht, und ihre Schläfrigkeit und Entspannung sind so beruhigend, daß ich das Handy wieder beiseite lege und mit erneut geschlossenen Augen ihre Nähe genieße, jeder Atemzug ein heller, strahlender Glücksmoment. Und so bleiben wir liegen, sie schlafend, ich im Dämmerzustand zwischen Nacht und Morgen, während draußen die Vögel langsam im aufkommenden Verkehrslärm verstummen, die kühle Luft sich erwärmt und ein neuer Tag über der Großstadt sein Lied anstimmt.

03. Juni 2018

Junisonntag.

Taren • am 03.06.2018 um 17:49 in erlebt, verzaubert
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Obwohl die Vernunft uns der sonnendurchfluteten Leichtigkeit von freien Tagen fernhält und stattdessen an die Laptops und damit an die Arbeit quält, bleibt mein Herz leicht. Wenn ich den Blick vom Bildschirm hebe, sehe ich sie, wie sie in sommerlich leichter Kleidung Bücher in Umzugskartons packt und ab und zu, wenn sie glaubt, daß ich es nicht mitbekomme, mit diesem herrlich leichten Lächeln zu mir hinüber sieht. Ich höre ihre nackten Füße auf dem Fußboden, wenn sie sich bewegt, das Rascheln der Seiten und die Eleganz ihrer Bewegungen im Raum. Auf meinen Lippen, meiner Haut weilt das Nachbild ihrer Berührung, und wenn es zu verschwinden droht, kann ich aufsehen, sie anlächeln und die Erinnerung erneuern.
Nein, so ist das Arbeiten an meiner Diss nicht schlimm, wenn es derart begleitet wird. Ihre bloße Anwesenheit erfüllt mich mit Wärme, und die kleinen, liebevollen Aufmerksamkeiten, mit denen sie sich um mich kümmert, helfen zusätzlich gegen Frust und fehlende Motivation. Und so arbeite ich, auch wenn draußen vor den Fenstern der Sommer schwer über der Stadt liegt und von Badeseen und Eis flüstert, auch wenn der Anblick ihrer nackten Haut meine Gedanken an ganz andere Orte führen möchte und mein Kopf so viel lieber die Zeit mit ihr mit Unternehmungen, Gesprächen oder Verrücktheiten füllen würde als mit der Arbeit. Solang sie bei mir ist, solang ich sie mit allen Sinnen in mich aufnehmen kann, ist alles, alles gut.

04. Mai 2018

Sonnenmorgen

Taren • am 04.05.2018 um 10:19 in erlebt, verzaubert
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Beim Weckerklingeln an sie gekuschelt aufwachen, und noch mit halb geschlossenen, müden Augen den ersten Kuss bekommen – vollkommenes, pures Glück. Da ist dann auch egal, daß der Tag draußen erst erwacht, daß ich fauler Wissenschaftler normalerweise noch stundenlang schlafen würde – für diesen Moment des gemeinsamen Aufwachens tausche ich gern. Und dann bleiben ein paar Augenblicke, fünf Minuten, in denen ich mich an sie oder sie sich an mich schmiegt, in denen wir uns halten und küssen und langsam, langsam dem Tag entgegen blinzeln, bevor einer oder beide von uns aufstehen müssen. Doch selbst dann ist es unmöglich, sich ganz zu trennen, wir suchen einander für einen kurzen Kuss, eine Berührung, einen Blick, bevor die erbarmungslose Uhrzeit sie aus dem Haus treibt. Und ich bleibe liegen, in diesem Bett, das ohne sie so groß und leer ist, und spüre die fehlende Nähe körperlich auf meiner Haut. Auf ihrer Bettseite findet sich in der Decke noch ein Hauch ihrer Wärme, und in den Laken finde ich ihren Geruch – und für eine halbe Stunde bleibe ich liegen, atme das Vermissen aus und die Erinnerung an sie in mich hinein, bevor die Sonne an das Dachfenster klopft und mich aus dem Bett treibt, hinein in den Tag.
Das Gefühl ihrer Lippen auf den meinen jedoch bleibt, bleibt, während ich dusche, mich anziehe und zur Bahn laufe, bleibt für den Weg und während der Arbeit, bis ich sie wiedersehe und das Phantombild ihrer Lippen gegen die Wirklichkeit eintauschen kann.

30. April 2018

Du, Du, Du.

Taren • am 30.04.2018 um 14:50 in erlebt, verzaubert
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Küsse am Morgen, meine Lider noch schwer vom Schlaf und vom Traum, in dessen Armen ich noch Sekunden zuvor steckte. Das Licht aus dem Dachfenster seitlich fällt auf dieses unvertraute, vertraute Gesicht, diese Linien, die ich noch so wenig und doch schon so gut kenne, und wieder, immer wieder, ist da das Bedürfnis, die Hand zu heben und dieses Gesicht nachzuzeichnen, diesen Körper zu berühren. Mit dem ersten Kuß erwacht auch das Glücksgefühl in meinem Magen, dieses überbordende, unendliche, so völlig unfaßbare Glück der letzten Wochen.
Stundenlang Lieder in Dauerschleife hören, in den Gedanken immer woanders. Mein Strahlen ist festgewachsen, mein Herz schlägt Purzelbäume in meiner Brust, und ich kann nicht sagen, wann ich zuletzt so verliebt war. In den gestohlenen Momenten zusammen vergesse ich Zeit und Raum, an den Abenden jedes Gefühl für Stunden und Minuten, und in den Nächten – oh… Ich habe keinen Hunger, brauche kaum Schlaf, und eine Nacht ist erholsam, wenn ich nur den Atemzügen neben mir lauschen kann, diesen fremden, anderen Menschen an mir spüre und mir die Dunkelheit Liebesworte in den Mund legen will, die mir auf der Zunge kleben bleiben und mich dennoch, auch ungesagt, mit tiefer Wärme, Zufriedenheit und Dankbarkeit erfüllen.

und ich vermiss dich, weil
du Heimat und Zuhause bist
weil bei dir mein Bauchweh aufhört

halt mich, halt mich fest

Philipp Poisel – Halt mich

Und auch, wenn niemand die Zukunft kennt, auch, wenn wir beide von gestohlener Zeit und mit sehr ungewissen Perspektiven leben, ist jeder Moment so wundervoll. Auch wenn diese Nähe, dieses Vertrauen in sich schon das Versprechen von Vermissen, Leiden und Liebeskummer trägt, ist es das wert, egal, was kommen mag.

15. Februar 2018

Wege.

Taren • am 15.02.2018 um 11:38 in außen, erlebt
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Der frische Schnee knirrscht unter meinem Vorderrad, mit dem ich eine neue, dunkle Spur in die weiße Decke schneide, die den Weg bedeckt. Schneeflocken wehen mir ins Gesicht, vom Fahrtwind und von ihrem eigenen Trudeln getrieben, und immer wieder muß ich mir mit den Handschuhen die Brille freiwischen, um sehen zu können. Neben mir, auf dem Main, arbeitet sich ein großes Binnenfrachtschiff in Richtung der Offenbacher Schleuse, und seine Ladung ist so komplett weiß überzuckert, daß es aussieht, als hätte es Schnee geladen.
Die Stille ist groß und ausladend, obwohl ich mich immer weiter der hektischen Innenstadt dieser Großstadt nähere, und ich lächle in das Schneetreiben, auch wenn jede Flocke mir kalt beißend auf der empfindlichen Haut meiner Wangen und Nase schmilzt. Manchmal schafft es ein vorwitziges Wattewölkchen, sich den Weg in meine Kapuze zu bahnen, und ich erschaudere, wenn sie meinen Hals erreicht. Auf meinen Jackenärmeln bleibt der Schnee liegen und malt weiße Streifen auf das leuchtende Gelb. Vor jeder Richtungsänderung, jeder Kurve muß ich abbremsen, und doch bricht mehr als einmal mein Hinterrad kurz aus, aber ich kann mein Fahrrad jedes Mal wieder unter meine Kontrolle bringen.
In der Innenstadt werden die Flocken kleiner und feuchter, nun rinnt mir das Schmelzwasser aus dem Gesicht in meinen Kragen, und dennoch – mit einem Strahlen im Gesicht komme ich auf der Arbeit an.

22. November 2016

Takelsack

Taren • am 22.11.2016 um 11:30 in maritim
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Wenn die Sehnsucht nach dem Meer und dem Schiff so mächtig im Inneren ist, daß alle Träume noch immer von Wellen und Wind und weißem Segeltuch handeln, füllen sich die Tage beinahe automatisch mit Seemannshandwerk. Seit Jahren (wirklich Jahren, so etwa 6…) liegt oben auf meinem Regal eine Tüte voll mit altem Segeltuch von der Seute Deern, und an diesem Wochenende wurde es final Zeit, damit endlich etwas anzustellen. Und was liegt näher für altes, viel gefahrenes und weit gereistes Tuch als ein Seesack?

Also nähte ich mir einen Takelsack, also einen Beutel, der mein Takelmesser, die Aalen und das gewachste Garn, den Bootsmannshandschuh, die Zangen und den Schnüffelhüsing und all dieses Zeugs beinhalten soll, was der wahre Matrose so braucht. Dabei gab ich mir Mühe, all das zu benutzen, was ich im Laufe der Jahre an Bord so gelernt habe: Segelnähte, Marlschläge, gespleißte Grummets und Taklinge, Zierknoten und weiteres. Heraus kam dieser Seesack, mit dem ich angemessen zufrieden bin:

Der Sack als Ganzes:
takelsack

Der „Verschluß“:
verschluss

Eingenähte Grummets als Ösen – und man sieht die Segelnaht, die ich oben für den Rand verwendet habe:
grummets

Das Innere mit dem Boden:
innen

Und die kleinsten genähten Taklinge, die ich je auf Tauwerk gesetzt habe:
taklinge

Yay! Jetzt fehlen mir nur noch ein paar Werkzeuge, um ihn angemessen zu füllen. (=

20. November 2016

To the wind that blows, the ship that goes and the lass that loves a sailor.

Taren • am 20.11.2016 um 19:46 in erlebt, maritim
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Der Wind, der mir scharf ins Gesicht weht, schmeckt nach Regen, Meer und Kälte. Unter meinen Füßen ist nur das etwa fingerdicke Fußpferd der Vorroyalrah, und in der kühlen Luft sind meine Finger, die mit den fest gebundenen Zeisern kämpfen, steif und grobmotorisch. Als ich nach diesem ersten Aufentern ins Rigg wieder an Deck steige, entdecke ich mehrere blutende Wunden auf meinen Handrücken – das Rigg, welches ich drei Jahre lang nicht betreten habe, rächt sich für die Missachtung. Und ich? Ich fühle mich, als würde ich zum ersten Mal seit Jahren wieder Luft bekommen, als wäre ich endlich, endlich wieder ganz erwacht.
Ich weiß nicht, wie genau ich eigentlich die letzten Jahre gelebt habe, wie ich es geschafft habe, auszuhalten, daß ich nicht an Bord eines Schiffes war. Der Alltag, die Arbeit – ja, natürlich. Viele kleine Ersatzhandlungen: die Modellschiffe, der SpoBo, andere Freizeitaktivitäten. Erst jetzt, nach vierzehn Tagen mit Planken unter meinen Füßen, Tampen in den Händen, die meine weiche Doktorandenhaut in Leder und Schrunden verwandeln und mit dem weiten, unendlichen Atlantik um uns herum spüre ich, wie sehr mir das Segeln, das Schiff gefehlt hat. Wie sehr ich selbst mir gefehlt habe, dieses Ich, das nur an Bord eines Schiffes so lang und klar und einfach ist.
Alles, was in diesen Tagen zählte, waren sehr klare und einfache Dinge: wann habe ich das nächste Mal Wache? Wie ist das Wetter, wie ist der Wind? Welche Segel haben wir gesetzt? Wann gibt es das nächste Mal Essen? Wo genau sind wir? Sind Delphine zu sehen? Sterne? Meeresleuchten? Wo ist dieser riesige orangerote Mond von der letzten Nacht?
Ich habe nächtelang in Hängematten gelegen und mich vom sanften Schaukeln des Schiffs in den Schlaf wiegen lassen. Ich war beinah jede Nacht zwischen 0 Uhr und 4 Uhr an Deck, Ruder gehend, Ausguck gehend, mit meiner Wache lachend und scherzend und lernend und Geschichten erzählend und gemeinsam wach. Ich habe Sternschnuppen gezählt und unzählige Wünsche in die Nacht geflüstert. Ich war nachts bei Wind, der in Böen Windstärke 8 hatte, hoch oben auf der Bram und habe Segel beigefangen. Ich habe im Rigg gearbeitet, stundenlang in meinem Klettergurt gehangen und mit Hüsing und Draht hantiert, ich habe mich vom Seegang bei meterhohen Wellen durch die Kombüse schleudern lassen, habe Plätzchen gebacken, bin früh morgens aufgestanden, vor dem Wecken, nach nur zwei Stunden Schlaf, um für die Crew und einen besonderen Matrosen heiße Schokolade zu kochen. Ich wurde im Klüvernetz von Wellen überspült und von Rasmus mehr als einmal gebadet, ich war bei Kap Finisterre im Meer schwimmen und habe in La Coruna in einer Hafenkneipe eine Runde geschmissen. Als hätte ich in diesen zwei Wochen für Monate gelebt.

Jetzt spüre ich die Sehnsucht nach dem Schiff, nach der See und nach den Menschen beinah körperlich auf der Haut. Und doch, trotz dieses Fehlens, ist das Glück dieser zwei Wochen eingraviert in mein Lachen, steckt tief in meinem Bauch und lässt mich strahlen, wenn ich nur daran denke. Und es gibt Pläne, wundervolle Pläne, bald wieder an Bord zu gehen.

„Wir verstecken uns dort, wo die Zukunft uns nicht findet.
Überall, nur nicht daheim.“
Spaceman Spiff – Egal

02. Februar 2016

Seifiges – eine Ankündigung

Taren • am 02.02.2016 um 12:59 in außen, erlebt, verzaubert
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Manchmal kommt man ja zu einem neuen Hobby wie die Jungfrau zum Kinde – obwohl in diesem Falle meine Unschuld im Vorhinein sicherlich schon gewaltig angegriffen war. Alles begann vor inzwischen etwa vier Jahren, als ich, der bösen chemischen Haarfarbe entfliehend, von normalem Shampoo auf Naturshampoo ohne Silikone umstieg. Zusammen mit einem immerhin einjährigen Ausflug in die Welt von Hennafärben, dem Gefühl und Geruch von Kuhfladen auf dem Kopf und dem ewigen Leid nicht so schön bunt leuchtender Haare wuchs mein Interesse an Kosmetikprodukten, deren Inhaltstoffe überschaubar, ökologisch und frei von schädlichen Kunstprodukten waren. Und auch, als ich der Verlockung herrlich quietschorange leuchtender Haare dann doch wieder erlag, blieben die Silikone aus meinem Shampoo verbannt.
Zwei Jahre später infizierte mich, wieder einmal, die liebste Kreativfreundin mit einem weiteren Schritt in Richtung Ökonazitum. Seifen und Haarseifen (mit letzteren wurden meine Wasserstoffperoxid-erfahrenen Haare jedoch nicht so richtig glücklich), Lush als Übergangsstation mit festem Shampoo und Spülungen – die Dinge, die in meiner Dusche lagen, wandelten sich rapide. Zunächst erschienen die festen Haarprodukte, dann, für den Alltag zunächst nur, auch Körperseifen (und Bionaturduschgel nach dem Sport) und alternative, zum Teil von der Freundin sogar selbst angerührte Deos. Das Gefühl, nur nach Duschgelbenutzung richtig sauber zu sein, schwand ebenso schnell wie das Bedürfnis nach Sprühdeos und Vereisungen unter den Achseln.
Mit diesen Veränderungen kam ein sanftes Missionierungsbedürfnis bei sowieso für solche Dinge interessierten Menschen des Umfelds. Meine Mutter ließ sich schnell mit in das frisch in See gestochene Boot holen, und sie brachte dann sogar eine Freundin ein, die seit Jahren selbst Seifen herstellte – perfekt! Mit ihr verlor sich dann auch das Lush-Shampoo, da sie, angefixt durch die Idee eines festen Shampoos, rasch selbst welches herstellte, das meinen hohen Anforderungen entsprach. Perfekt!
Pakete voll bunter, herrlich riechender handgesiedeter Seifen, bestellt bei Seifenhexen im Internet, trafen bei mir und den anderen ein, Seifen und Erfahrungen wurden zum beliebten Gesprächsthema. Und dann, vor anderthalb Wochen, folgte der nächste Schritt: der private Seifensiedeworkshop bei Muddis Freundin. Einen Tag lang mit Fetten, Ölen und Düften spielen, Gurke pürieren und Milchpulver abwiegen, und am Ende des Tages glücklich vor zwei unterschiedlichen Seifen stehen, die ganz nach unseren Vorstellungen entstanden waren.

Und damit hatte es mich erwischt. Wieder daheim in meiner Dachstube am Rande der Felder folgte der Großeinkauf bei unterschiedlichsten Händlern vor Ort wie virtuell – Öle, Düfte, Fette, lustige verrückte Zusatzstoffe, Seifenformen und Gerätschaften, Thermometer und Eiswürfelförmchen. In den nächsten Tagen müßten die noch fehlenden Pakete eintreffen, und dann geht es los! Vermutlich schließe ich mich die nächsten Wochenenden daheim ein und probiere eine verrückte Mischung nach der nächsten aus. Hihi.

Langer Rede kurzer Sinn: wundert euch nicht, wenn hier in Bälde Fotos von Seifen und Rezepten auftauchen.

(Ich habe einen Piratenseifenform! Arrrrr!)

24. November 2015

Ein bisschen Dekadenz

Taren • am 24.11.2015 um 10:35 in erlebt
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An einem ganz normalen Arbeitswochentag mit selbstgemachtem Bananenhaferbrei und dem besten Café Latte der Welt zu frühstücken, ist dekadent. Und toll. Und dann auf dem Fahrrad durch die gefrorenen Felder fahren, den eiskalten Fahrtwind durch die Mütze hindurch auf den Ohren spüren und in den grauen Himmel lachen – einfach perfekt!

08. Mai 2014

Lichter der Stadt.

Taren • am 08.05.2014 um 01:39 in erlebt, gefragt, verzaubert
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Tage voller Leben.
Der normale Studiumsalltag, und dann nach den Seminaren und einem Kaffee mit Kommilitonen direkt in die Bibliothek, um an einem der langen, weißen Tische unter dem künstlichen Licht von Leuchtstoffröhren viele Stunden in Bücher vergraben an der Masterthesis zu arbeiten. Es beginnt, endlich, dieses anstrengende, große, aufregende Projekt, und nun, da all die Altlasten aus den letzten Semestern endgültig erledigt sind, darf ich mich ihm widmen, darf Bücher in großen Mengen aus den unterschiedlichen Fachbibliotheken quer durch die ganze Stadt ausleihen und mit schweren Taschen, aber einem ganz leichten Herzen Tag für Tag erneut in die Unibib fahren. Mein Thema, etwas, das meinen Ansprüchen an Wissenschaft und mich selbst wieder genügt, und das sich so unendlich groß und neu vor mir ausbreitet – ich genieße es.

Und abends, wenn sich die vielen Tische geleert haben, die Sonnenschutzjalousien vor den Fenstern schon lang wieder hochgefahren sind und nur noch vereinzelt Köpfe tief über Büchern oder Bildschirmen gebeugt sind, dann packe auch ich irgendwann all die schweren Bücher und Aufsätze und Papiere zurück in die Tasche und schwinge mich auf mein Rad, heim. Schnell daheim einen bunt zusammen gewürfelten Salat, die Sachen abstellen, und dann wieder weiter, in einige wenige Stunden der Freizeit. Freunde, der Liebste, Sport und Kino, sie alle fallen nun in die Abendstunden. Und doch, noch bin ich glücklich, wenn ich wie heute spät nachts von der Sneak aus dem kleinen Lieblingskino durch die regennassen Straßen zurückfahre, zufrieden mit der Arbeit des Tages. Die ehemaligen Kollegen, die sich so freuten, mich zu sehen, kleine Pläne und Verabredungen, und auch schon wieder die Vorfreude auf den morgigen Tag zwischen den Büchern.

Und dann, auf dem Heimweg, der durch die kleinen Straßen an der Wohnung des Liebsten vorbeiführt, der kurze Gedanke: einfach anhalten, klingeln, und mich für wenige Momente oder vielleicht doch den Rest der Nacht in seine Arme schmiegen und gehalten werden und halten zugleich – und mit einem Lächeln und Wärme in der Brust fahre ich vorbei. Das bloße Wissen um ihn, und dieser kleine Moment, in dem ich vorbeifahrend ganz nahe bin, sie reichen schon, um mich jetzt heute Nacht in meinem eigenen Bett nicht mehr allein zu fühlen.

Vergangenheit -