verzaubert

13. Juni 2018

Wege.

Taren • am 13.06.2018 um 09:31 in erlebt, verzaubert
Kommentare deaktiviert für Wege.

Der Wecker reißt mich viel zu früh und unbarmherzig aus dem Schlaf. In den letzten Stunden seit dem Sonnenaufgang war ich immer wieder wach, zu hell war die Welt vor dem Vorhang, zu laut die Vögel, und dennoch – jedes Aufwachen bedeutete, mich ein weiteres Mal an sie kuscheln zu können und sie in meine Arme zu schließen. Ein Bein über ihrem, die ganze Fläche meiner Brust an ihren Rücken gelegt, so viel Nähe und Berührung und Sicherheit in dieser Position. Ich fürchte keine Alpträume mehr, weil ihre Umarmung alle schlimmen Gedanken und Bilder vertreibt. Selbst die Schlaflosigkeit von Stunden oder gar einer ganzen Nacht hat ihren Schrecken verloren – ihre Anwesenheit allein läßt die Dunkelheit der Nacht weniger undurchdringlich erscheinen.
Heute quälen wir uns viel zu schnell aus dem Bett, die Tagesplanung läßt keinen Raum für ein langsames Erwachen. Für einige Momente überwiegt die Frustration, daß heute nicht ihre Hände die Müdigkeit von meiner Haut streichen und ihre Lippen mir die Augen öffnen, daß ich nicht auf ihrer Schulter noch für kostbare fünf Minuten die Arbeit und die Welt vergessen darf, sondern unbarmherzig aus dem Bett geworfen werde, doch hält die schlechte Stimmung nicht lange an. Wie könnte ich maulen, da ich doch sie beobachten kann, wie sie sich anzieht, die Zähne putzt und mit so viel Selbstverständlichkeit und Anmut sich in meiner Wohnung bewegt? Es bleibt nur dieses altbekannte ungläubige Staunen, daß sie da ist, daß sie bei mir ist, daß es sie wirklich in meinem Leben gibt – und ich nehme mir, auch schon zum wiederholten Male, vor, ihr ein Fach im Regal oder im Schrank freizuräumen, um auch ganz physisch ihr den Platz in meinem Leben zu geben, den sie emotional längst einnimmt.
Dann brechen wir auf, zur Bushaltestelle und zur Arbeit, und ihre Hand liegt den ganzen Weg über in meiner, so richtig und normal und vertraut.

07. Juni 2018

Kaffeepause.

Taren • am 07.06.2018 um 10:48 in denken, erlebt, verzaubert
0 Kommentare

Tage zählen, bis. Von Beginn an war jede Minute, jede Sekunde kostbar, doch desto schneller die Zeit vergeht, desto größer wird das Bedürfnis, den Sand der Uhr aufzuhalten, die Augenblicke festzubinden, damit sie nicht vergehen können. Ich bin furchtbar müde, doch eigentlich will ich nicht schlafen – lieber möchte ich sie ansehen, jeden Millimeter ihres Gesichts in mein Gedächtnis brennen. Ich möchte meinen Fingern die Erinnerung an die Haptik ihres Körpers, an jede Kontur, jede Linie in die Haut schreiben, damit ich sie abrufen kann, wenn sie nicht mehr jeden Abend neben mir einschläft. Also sammle ich, trotz des leise verzweifelten Wissens um die Aussichtslosigkeit, alle Momente mit ihr ein, versuche, mir einzuprägen, wie ihre Augen beim Lächeln strahlen, wie sich ihr Mund verzieht, wenn sie mich neckt, wie ihr Atem klingt, ihr Lachen und ihr Herzschlag. Ich beobachte, berühre, speichere tausend kleine Informationen: den Geruch ihres Nackens, die glatte Weichheit ihrer Haare, die Stellen, an denen sie kitzlig ist, die Wärme ihrer Haut, die Form ihrer Ohren und ihres Bauchnabels, den Anblick ihrer Zehen, und worüber sie lacht, was sie ärgert, wie sich ihre Stirn verzieht, wenn sie nachdenkt, wie es ist, sie zu halten, zu umarmen, zu küssen. Ich präge mir ein, wie sie schwerer wird, wenn sie auf meiner Brust einschläft, wie sich ihre Züge entspannen und der Rhythmus ihres Atems sich beruhigt. Festhalten, bewahren, gegen die Zeit der Trennung, gegen das Vermissen. Wenn wir verharren, wenn wir die Luft anhalten und uns nicht bewegen, vielleicht vergißt uns dann die Zeit.

Und noch immer stolpert mein Herz, wenn sie nur durch die Tür kommt.

04. Juni 2018

Früh.

Taren • am 04.06.2018 um 09:04 in erlebt, verzaubert
Kommentare deaktiviert für Früh.

Vor dem offenen Fenster ruft, irgendwo unten am Main, ein Kuckuck. Ich liege da mit geschlossenen Augen, gesenkte Lider gegen die Helligkeit, die sich an den Seiten des Rollos vorbei vorwitzig in den Raum zwängt, und lausche in die Welt. Die kleine Terz des Kuckucks, dazwischen das laute Gurren einer Taube, und Hunderte von anderen Vogelstimmen mischen sich mit den leisen Atemzügen der Liebsten neben mir. In dieser Nacht blieb mir der Schlaf größtenteils verwehrt, warum auch immer, und nun, morgens um kurz nach fünf, bin ich hin- und hergerissen zwischen Wachheit im Angesicht der hellen Sonnenstrahlen und der bleiernen Müdigkeit von ausgebliebenem Nachtschlaf. Schon ergebe ich mich dem Tag, schon greife ich nach dem Handy, um die Zeit bis zum Weckerklingeln mit Lesen und Facebook zu vertreiben, da dreht sich meine Bettgefährtin mit einem leisen Seufzen herum und schmiegt sich an mich, ohne dabei zu erwachen. Ihr Arm fällt sanft um meine Taille, und sie kuschelt ihr Gesicht ganz eng an meinen Hals, so daß jedes Einatmen einen kurzen kühlen Luftstrom und jedes Ausatmen Wärme über meine Wangen legt. Ich spüre ihren Brustkorb, wie er sich Haut an Haut mit meinem ausdehnt und zusammenzieht, und ihre Schläfrigkeit und Entspannung sind so beruhigend, daß ich das Handy wieder beiseite lege und mit erneut geschlossenen Augen ihre Nähe genieße, jeder Atemzug ein heller, strahlender Glücksmoment. Und so bleiben wir liegen, sie schlafend, ich im Dämmerzustand zwischen Nacht und Morgen, während draußen die Vögel langsam im aufkommenden Verkehrslärm verstummen, die kühle Luft sich erwärmt und ein neuer Tag über der Großstadt sein Lied anstimmt.

03. Juni 2018

Junisonntag.

Taren • am 03.06.2018 um 17:49 in erlebt, verzaubert
Kommentare deaktiviert für Junisonntag.

Obwohl die Vernunft uns der sonnendurchfluteten Leichtigkeit von freien Tagen fernhält und stattdessen an die Laptops und damit an die Arbeit quält, bleibt mein Herz leicht. Wenn ich den Blick vom Bildschirm hebe, sehe ich sie, wie sie in sommerlich leichter Kleidung Bücher in Umzugskartons packt und ab und zu, wenn sie glaubt, daß ich es nicht mitbekomme, mit diesem herrlich leichten Lächeln zu mir hinüber sieht. Ich höre ihre nackten Füße auf dem Fußboden, wenn sie sich bewegt, das Rascheln der Seiten und die Eleganz ihrer Bewegungen im Raum. Auf meinen Lippen, meiner Haut weilt das Nachbild ihrer Berührung, und wenn es zu verschwinden droht, kann ich aufsehen, sie anlächeln und die Erinnerung erneuern.
Nein, so ist das Arbeiten an meiner Diss nicht schlimm, wenn es derart begleitet wird. Ihre bloße Anwesenheit erfüllt mich mit Wärme, und die kleinen, liebevollen Aufmerksamkeiten, mit denen sie sich um mich kümmert, helfen zusätzlich gegen Frust und fehlende Motivation. Und so arbeite ich, auch wenn draußen vor den Fenstern der Sommer schwer über der Stadt liegt und von Badeseen und Eis flüstert, auch wenn der Anblick ihrer nackten Haut meine Gedanken an ganz andere Orte führen möchte und mein Kopf so viel lieber die Zeit mit ihr mit Unternehmungen, Gesprächen oder Verrücktheiten füllen würde als mit der Arbeit. Solang sie bei mir ist, solang ich sie mit allen Sinnen in mich aufnehmen kann, ist alles, alles gut.

04. Mai 2018

Sonnenmorgen

Taren • am 04.05.2018 um 10:19 in erlebt, verzaubert
Kommentare deaktiviert für Sonnenmorgen

Beim Weckerklingeln an sie gekuschelt aufwachen, und noch mit halb geschlossenen, müden Augen den ersten Kuss bekommen – vollkommenes, pures Glück. Da ist dann auch egal, daß der Tag draußen erst erwacht, daß ich fauler Wissenschaftler normalerweise noch stundenlang schlafen würde – für diesen Moment des gemeinsamen Aufwachens tausche ich gern. Und dann bleiben ein paar Augenblicke, fünf Minuten, in denen ich mich an sie oder sie sich an mich schmiegt, in denen wir uns halten und küssen und langsam, langsam dem Tag entgegen blinzeln, bevor einer oder beide von uns aufstehen müssen. Doch selbst dann ist es unmöglich, sich ganz zu trennen, wir suchen einander für einen kurzen Kuss, eine Berührung, einen Blick, bevor die erbarmungslose Uhrzeit sie aus dem Haus treibt. Und ich bleibe liegen, in diesem Bett, das ohne sie so groß und leer ist, und spüre die fehlende Nähe körperlich auf meiner Haut. Auf ihrer Bettseite findet sich in der Decke noch ein Hauch ihrer Wärme, und in den Laken finde ich ihren Geruch – und für eine halbe Stunde bleibe ich liegen, atme das Vermissen aus und die Erinnerung an sie in mich hinein, bevor die Sonne an das Dachfenster klopft und mich aus dem Bett treibt, hinein in den Tag.
Das Gefühl ihrer Lippen auf den meinen jedoch bleibt, bleibt, während ich dusche, mich anziehe und zur Bahn laufe, bleibt für den Weg und während der Arbeit, bis ich sie wiedersehe und das Phantombild ihrer Lippen gegen die Wirklichkeit eintauschen kann.

30. April 2018

Du, Du, Du.

Taren • am 30.04.2018 um 14:50 in erlebt, verzaubert
Kommentare deaktiviert für Du, Du, Du.

Küsse am Morgen, meine Lider noch schwer vom Schlaf und vom Traum, in dessen Armen ich noch Sekunden zuvor steckte. Das Licht aus dem Dachfenster seitlich fällt auf dieses unvertraute, vertraute Gesicht, diese Linien, die ich noch so wenig und doch schon so gut kenne, und wieder, immer wieder, ist da das Bedürfnis, die Hand zu heben und dieses Gesicht nachzuzeichnen, diesen Körper zu berühren. Mit dem ersten Kuß erwacht auch das Glücksgefühl in meinem Magen, dieses überbordende, unendliche, so völlig unfaßbare Glück der letzten Wochen.
Stundenlang Lieder in Dauerschleife hören, in den Gedanken immer woanders. Mein Strahlen ist festgewachsen, mein Herz schlägt Purzelbäume in meiner Brust, und ich kann nicht sagen, wann ich zuletzt so verliebt war. In den gestohlenen Momenten zusammen vergesse ich Zeit und Raum, an den Abenden jedes Gefühl für Stunden und Minuten, und in den Nächten – oh… Ich habe keinen Hunger, brauche kaum Schlaf, und eine Nacht ist erholsam, wenn ich nur den Atemzügen neben mir lauschen kann, diesen fremden, anderen Menschen an mir spüre und mir die Dunkelheit Liebesworte in den Mund legen will, die mir auf der Zunge kleben bleiben und mich dennoch, auch ungesagt, mit tiefer Wärme, Zufriedenheit und Dankbarkeit erfüllen.

und ich vermiss dich, weil
du Heimat und Zuhause bist
weil bei dir mein Bauchweh aufhört

halt mich, halt mich fest

Philipp Poisel – Halt mich

Und auch, wenn niemand die Zukunft kennt, auch, wenn wir beide von gestohlener Zeit und mit sehr ungewissen Perspektiven leben, ist jeder Moment so wundervoll. Auch wenn diese Nähe, dieses Vertrauen in sich schon das Versprechen von Vermissen, Leiden und Liebeskummer trägt, ist es das wert, egal, was kommen mag.

02. Februar 2016

Seifiges – eine Ankündigung

Taren • am 02.02.2016 um 12:59 in außen, erlebt, verzaubert
0 Kommentare

Manchmal kommt man ja zu einem neuen Hobby wie die Jungfrau zum Kinde – obwohl in diesem Falle meine Unschuld im Vorhinein sicherlich schon gewaltig angegriffen war. Alles begann vor inzwischen etwa vier Jahren, als ich, der bösen chemischen Haarfarbe entfliehend, von normalem Shampoo auf Naturshampoo ohne Silikone umstieg. Zusammen mit einem immerhin einjährigen Ausflug in die Welt von Hennafärben, dem Gefühl und Geruch von Kuhfladen auf dem Kopf und dem ewigen Leid nicht so schön bunt leuchtender Haare wuchs mein Interesse an Kosmetikprodukten, deren Inhaltstoffe überschaubar, ökologisch und frei von schädlichen Kunstprodukten waren. Und auch, als ich der Verlockung herrlich quietschorange leuchtender Haare dann doch wieder erlag, blieben die Silikone aus meinem Shampoo verbannt.
Zwei Jahre später infizierte mich, wieder einmal, die liebste Kreativfreundin mit einem weiteren Schritt in Richtung Ökonazitum. Seifen und Haarseifen (mit letzteren wurden meine Wasserstoffperoxid-erfahrenen Haare jedoch nicht so richtig glücklich), Lush als Übergangsstation mit festem Shampoo und Spülungen – die Dinge, die in meiner Dusche lagen, wandelten sich rapide. Zunächst erschienen die festen Haarprodukte, dann, für den Alltag zunächst nur, auch Körperseifen (und Bionaturduschgel nach dem Sport) und alternative, zum Teil von der Freundin sogar selbst angerührte Deos. Das Gefühl, nur nach Duschgelbenutzung richtig sauber zu sein, schwand ebenso schnell wie das Bedürfnis nach Sprühdeos und Vereisungen unter den Achseln.
Mit diesen Veränderungen kam ein sanftes Missionierungsbedürfnis bei sowieso für solche Dinge interessierten Menschen des Umfelds. Meine Mutter ließ sich schnell mit in das frisch in See gestochene Boot holen, und sie brachte dann sogar eine Freundin ein, die seit Jahren selbst Seifen herstellte – perfekt! Mit ihr verlor sich dann auch das Lush-Shampoo, da sie, angefixt durch die Idee eines festen Shampoos, rasch selbst welches herstellte, das meinen hohen Anforderungen entsprach. Perfekt!
Pakete voll bunter, herrlich riechender handgesiedeter Seifen, bestellt bei Seifenhexen im Internet, trafen bei mir und den anderen ein, Seifen und Erfahrungen wurden zum beliebten Gesprächsthema. Und dann, vor anderthalb Wochen, folgte der nächste Schritt: der private Seifensiedeworkshop bei Muddis Freundin. Einen Tag lang mit Fetten, Ölen und Düften spielen, Gurke pürieren und Milchpulver abwiegen, und am Ende des Tages glücklich vor zwei unterschiedlichen Seifen stehen, die ganz nach unseren Vorstellungen entstanden waren.

Und damit hatte es mich erwischt. Wieder daheim in meiner Dachstube am Rande der Felder folgte der Großeinkauf bei unterschiedlichsten Händlern vor Ort wie virtuell – Öle, Düfte, Fette, lustige verrückte Zusatzstoffe, Seifenformen und Gerätschaften, Thermometer und Eiswürfelförmchen. In den nächsten Tagen müßten die noch fehlenden Pakete eintreffen, und dann geht es los! Vermutlich schließe ich mich die nächsten Wochenenden daheim ein und probiere eine verrückte Mischung nach der nächsten aus. Hihi.

Langer Rede kurzer Sinn: wundert euch nicht, wenn hier in Bälde Fotos von Seifen und Rezepten auftauchen.

(Ich habe einen Piratenseifenform! Arrrrr!)

24. August 2015

Die Ruhe selbst.

Taren • am 24.08.2015 um 19:33 in bitterschokolade, fühlen, verzaubert
0 Kommentare

hätt ich das gewusst
wär ich noch geblieben
hätte fotos gemacht
und alles mitgeschrieben
um mir später zu beweisen
dass es war
[…]

Diese kleinen Momente, die kurz diese seltsame Mischung aus Grinsen, Irritation und Verwirrung hervorrufen. Aber es ist gut, daß inzwischen definitiv das Grinsen überwiegt über diesen verrückten Abend, über die Ironie des Schicksals und meinen Hang dazu, das größtmögliche Drama zu finden.

[…]
ich hab die ruhe selbst gefunden
für einen kurzen augenblick
doch dann rannten mir die füße
davon

die ruhe blieb zurück

Spaceman Spiff (wer auch sonst): Schwarz weiss und Die Ruhe selbst

23. August 2015

Be that cat!

Taren • am 23.08.2015 um 00:26 in bitterschokolade, fühlen, verzaubert
0 Kommentare

Kopfchaos, Müdigkeit jenseits aller Grenzen und Verwirrung. Das ist mir wirklich lange nicht mehr passiert, daß es mich so sehr von den Beinen wirft (auch wenn es schön ist zu sehen, daß es noch geht).

und all die fleißigen gedanken
richten mehr an als sie begreifen können

Spaceman Spiff: Milchglas

Ewig lange Abende, mit Musik und Gelächter und Alkohol und so vielen Menschen. Tanzen, ausgerechnet ich, tanzen und lachen und sich näher kommen und flirten und sich im gleichen Rhythmus bewegen. Und die Erinnerung an einen anderen Körper zwischen den Händen, im Arm, an mir.
Jetzt einfach schlafen. Und dann, nach dem Aufwachen, bekomme ich vielleicht auch wieder etwas Kontrolle über dieses Wirrwar im Herzen. Ich lasse mir doch nicht von Welt einreden, daß ich sonst einsam bin.

(Titelzitat von Laini Taylor: Daughter of Smoke and Bone)

08. Mai 2014

Lichter der Stadt.

Taren • am 08.05.2014 um 01:39 in erlebt, gefragt, verzaubert
0 Kommentare

Tage voller Leben.
Der normale Studiumsalltag, und dann nach den Seminaren und einem Kaffee mit Kommilitonen direkt in die Bibliothek, um an einem der langen, weißen Tische unter dem künstlichen Licht von Leuchtstoffröhren viele Stunden in Bücher vergraben an der Masterthesis zu arbeiten. Es beginnt, endlich, dieses anstrengende, große, aufregende Projekt, und nun, da all die Altlasten aus den letzten Semestern endgültig erledigt sind, darf ich mich ihm widmen, darf Bücher in großen Mengen aus den unterschiedlichen Fachbibliotheken quer durch die ganze Stadt ausleihen und mit schweren Taschen, aber einem ganz leichten Herzen Tag für Tag erneut in die Unibib fahren. Mein Thema, etwas, das meinen Ansprüchen an Wissenschaft und mich selbst wieder genügt, und das sich so unendlich groß und neu vor mir ausbreitet – ich genieße es.

Und abends, wenn sich die vielen Tische geleert haben, die Sonnenschutzjalousien vor den Fenstern schon lang wieder hochgefahren sind und nur noch vereinzelt Köpfe tief über Büchern oder Bildschirmen gebeugt sind, dann packe auch ich irgendwann all die schweren Bücher und Aufsätze und Papiere zurück in die Tasche und schwinge mich auf mein Rad, heim. Schnell daheim einen bunt zusammen gewürfelten Salat, die Sachen abstellen, und dann wieder weiter, in einige wenige Stunden der Freizeit. Freunde, der Liebste, Sport und Kino, sie alle fallen nun in die Abendstunden. Und doch, noch bin ich glücklich, wenn ich wie heute spät nachts von der Sneak aus dem kleinen Lieblingskino durch die regennassen Straßen zurückfahre, zufrieden mit der Arbeit des Tages. Die ehemaligen Kollegen, die sich so freuten, mich zu sehen, kleine Pläne und Verabredungen, und auch schon wieder die Vorfreude auf den morgigen Tag zwischen den Büchern.

Und dann, auf dem Heimweg, der durch die kleinen Straßen an der Wohnung des Liebsten vorbeiführt, der kurze Gedanke: einfach anhalten, klingeln, und mich für wenige Momente oder vielleicht doch den Rest der Nacht in seine Arme schmiegen und gehalten werden und halten zugleich – und mit einem Lächeln und Wärme in der Brust fahre ich vorbei. Das bloße Wissen um ihn, und dieser kleine Moment, in dem ich vorbeifahrend ganz nahe bin, sie reichen schon, um mich jetzt heute Nacht in meinem eigenen Bett nicht mehr allein zu fühlen.

21. April 2014

Frühlingserwachen.

Taren • am 21.04.2014 um 14:07 in erlebt, verzaubert
0 Kommentare

Schützend liegt direkt vor dem Fenster das Wasser des Burggrabens, eine tiefe Schneise zwischen der umgebenden Welt und uns. Mit einem versonnenen Lächeln lasse ich die kalte Frühlingsluft über meine nackten Arme streichen und schaue über den sonnengetränkten Rasen jenseits des Wassers. Es ist ein perfektes Blau, was sich über den Himmel ausgebreitet hat, und ich lege den Kopf in den Nacken und strahle in seine Weite hinein.
Ein Schloß, ein großes Zimmer ganz für uns, und so viel Raum für kleine alberne Träumereien von Prinzessinnen und Burgfräulein, von Rittern und Minne und alter Zeit. Deine Arme um mich herum gelegt, und ich finde Geborgenheit und Wärme in deiner Umarmung. Hand in Hand schlendern wir um das Schloß und durch seinen Garten, stehen eng aneinander gelehnt auf den Brücken über den tiefen Wassergraben und schmieden gemeinsam verrückte Pläne und Geschichten. Für einen Abend, eine Nacht und einen Morgen bist du mein Ritter und ich deine Maid, entflohen der alltäglichen Welt nur wenige Kilometer entfernt, verborgen hinter dicken Mauern. Gestohlene Küsse, heimliche Umarmungen und verzauberte Stunden als unerwartete und wunderbare Überraschung, und heute früh werde ich von Gänsegeschnatter vor dem Fenster und deinen Händen geweckt, die mich sanft liebkosen. Selten bin ich so froh erwacht…!

Und am Abend davor tanzen, lachen und singen, ein sich verlieren in der Musik und in der fantastischen Welt. Wir beiden Mädels, kostümiert und hübsch, vergessen unsere männliche Begleitung und springen, kreisen, vergessen uns in Klang und Wort und Melodie, brüllen begeistert die obszönen Liedtexte mit und feiern die Musiker und uns. Stulpenstiefel, kurzer Rock und aufreizend enge Korsage über der weiten weißen Bluse verwandeln mich für einige Stunden in eine Piratin, und da ist es nur konsequent, daß wir miteinander kuscheln und die Nacht rumtrinkend worüberziehen lassen, ohne nur an Schlaf zu denken.

Leben ist so wunderbar.

15. November 2013

Seemann.

Taren • am 15.11.2013 um 10:00 in erlebt, maritim, verzaubert
0 Kommentare

Die See hat mich lieb,
die See weiß es gibt
mehr als einen Weg zum Ziel.
Ich vertraue ihr blind,
ich bin ein Kind
der See.

Hafennacht

Zehn Tage auf See, und davon so viele, an denen kein Ufer am Horizont herübergrüßte. Endlos war die Weite der Wellenberge, die das Schiff rollen und stampfen ließen. Gischt schlug über den Bug, und badete alles in ihrer salzigen Flut. Die Bullaugen an meiner Kojen tauchten den Raum immer wieder in tiefgrünes Licht, wenn gurgelnd die See gegen die Scheiben schlug, und Schlaf war beim Schwanken oftmals nur schwer zu finden.
Es war eine wundervolle Reise. Die Stunden der Wache an Deck, in viele, viele Schichten gehüllt, in denen sich unter unseren Füßen unser Schiff unermüdlich dem Ziel entgegenkämpfte, schleudernd in den Gewalten des Meers. Hagel und Regen und Dunkelheit nachts, tagsüber manchmal einzelne herrliche Sonnenmomente, in denen wir plötzlich durch geschmolzenes Gold segelten. Mitunter kauerten sich alle, die nicht Ausguck oder Ruder zu gehen hatten, in kleinste Ecken unter dem Schanzkleid, nur um ein wenig Schutz vor dem Wind zu finden. Kaum einer blieb von Seekrankheit verschont, doch das alles war es wert – hoch oben auf den Rahen der Roald mit Blick über Meer, Wellen und Horizont, mitten in Regen und Gischt und Wind, liegt ein bisschen des reinsten Glückes, Freiheit in weißen Segeln und in rauen Tampen. Bis zur Brust einzutauchen, während man im Klüvernetz die Vorsegel beizufangen versucht, von hochschlagenden Wellen überflossen zu werden im Kampf mit dem widerspenstigen Tuch – nie fühlte ich mich so lebendig wie in diesem Wettkampf mit den Elementen.
Doch es sind nicht nur die lauten, wilden Momente, die den Zauber dieser Reise ausmachen, nein. In einer durchsegelten Nacht unter dem so großen Sternenhimmel stundenlang auf dem Vorschiff Ausguck gehen, umgeben von hunderten und tausenden von Lichtern auf und über dem Meer, und heimlich immer wieder den Blick nach oben erheben, um Sternschnuppen zu zählen, war beinah überwältigennd schön. Morgens von einem fröhlichen „Reise Reise, aufstehen!“ geweckt zu werden, und dann mit einer kaffeegefüllten Mugg schnell schon einmal an Deck zu huschen, um nach Wetter und See zu sehen, oder nachts die Hafenwachen zu zweit, in denen wir mit Tampenjagd und Knotenkunde und Erzählungen die Kälte und Dunkelheit vertrieben. Am letzten Abend die halbe Nacht mit Gitarre durchzusingen und zu lachen – so viele Lieder, so viel Musik!
Generell gab es so viel zu lernen, zu entdecken, zu erkunden! Besonders in den ersten Tagen kam ich kaum jemals zum Atemholen, ein neues Schiff wollte schließlich erobert werden, und immer gab es etwas, bei dem man mit anfassen konnte, bei dem Neues zu erforschen war. Nur zu bereitwillig beugten sich die anderen meinem Wissendurst und zeigten und erklärten mir gern, was immer ich wissen wollte. Überhaupt waren wir eine großartige Crew! So viele interessante und unterschiedliche Menschen, so viel Erfahrung! Um so mehr schmeichelte es mir natürlich, daß sie alle großen Wert darauf legten, aus diesem einmaligem Fremdgehen eine dauerhafte Liaison zu machen, und sie gaben sich große Mühe, mich auch in Zukunft an dieses Schiff zu binden. Natürlich ist es ihnen gelungen, eigentlich hatte ich nie eine Wahl. Was soll man machen, wenn der Captain persönlich einen auffordert, wieder mit ihm auf Reise zu gehen?
Und so ging die Anmeldung für die nächsten Reisen bereits heraus, so viel ist noch zu lernen. Und hoffentlich hilft das Wissen, daß in wenigen Monaten schon wieder Planken unter meinen Füßen sein werden, gegen das Vermissen, das so, so groß ist. Kaum jemals war es so schwer von Bord zu gehen. Und, wer weiß? Vielleicht sehe ich ja auch auf einer anderen Reise einen ganz besonderen Matrosen wieder.
Seeliebe, Seemannsliebe.

Vergangenheit -